Donnerstag, 11. Oktober 2018

Rezension: Krabat oder Die Zauberschule (Kurt Gerlach)

Edition Cthulhu Libria
Hardcover, 136 Seiten
Privatdruck, keine ISBN
25,00 €

Ein kurzer Einblick

Krabats Erlebnisse in der Mühle von Schwarzkollm und das Erlernen schwarzer Magie sind spätestens seit Ottfried Preußler weltbekannt. Entstanden ist die Sage Anfang des 18. Jahrhunderts. 1925 verfasste Kurt Gerlach die erste belletristische Version, die deutlich düsterer und unheimlicher den Jungen Krabat und den Müller von Schwarzkollm inszeniert.

Bewertung

Ottfried Preußler ist es zu verdanken, dass die Sage von Krabat weltberühmt wurde und seit Jahren in der Schule als Lektüre dient. Kaum jemand weiß jedoch, dass die erste schriftliche Version von Kurt Gerlach stammt. 1925 brachte der Schriftsteller die bis dato mündlich überlieferte Sage zu Papier. Deutlich düsterer, deutlich bedrückender, deutlich intensiver erzählt Gerlach vom Knaben Krabat, der beim Müller von Schwarzkollm in die Lehre geht, um schwarze Magie zu erlernen. Zauberei, schwarze Magie, das Leiden der Jungen in der Mühle, die Rettung des Fürsten des Landes, Gestaltwandel; Dark Fantasy mit wohltuender Gruselnote. Stimmig untermalt wird die Story von Farbillustrationen der Künstlerin Angelika Dillous. In einem ausführlichen Nachwort von Lars Dangel wird über die Quellenforschung und Entstehung der Krabat-Sage referiert; sehr informativ und kurzweilig aufbereitet, um zu verstehen, welche Bedeutung diesem Werk beizumessen ist.

Kurt Gerlachs Stil ist knapp, auf das Wesentliche reduziert, aber genau deswegen eindringlich. Gerade die nicht vorhandenen, ausschmückenden Beschreibungen lassen durch den eher kalten Stil eine Düsternis entstehen, die dem Roman unheimlich gut zu Gesicht steht. Die anfängliche Ausführlichkeit zum Aufbau des Charakters Krabat und die intensiv beschriebenen Szenen, das Leiden in der Mühle, machen zum Ende leider einer stakkatoartigen Erzählung Platz. Ereignisse werden aneinandergereiht, riesige Zeitabschnitte klaffen dazwischen. Krabats Leben soll zu einem Abschluss gebracht werden, aber so recht Lust hatte der Autor offenbar nicht, eine anschauliche Art zu wählen. Vielleicht mag es auch für die damalige Zeit typisch gewesen. An einer etwas altmodischeren Erzählweise darf man sich jedenfalls nicht stören, genauso wenig an Wörtern, die im heutigen Sprachgebrauch nicht mehr verwendet werden. Fußnoten erklären die unbekannten Begriffe.

Diese Ausgabe ist auf 150 Exemplare limitiert und vom Herausgeber Lars Dangel und der Illustratorin Angelika Dillous signiert.

Fazit

Das Leid, die Freudlosigkeit der Müllergelehrten, die bedrückende Stimmung machen Gerlachs Krabat-Version im Vergleich zur Preußler-Fassung zu einem immens unheimlicheren Roman. Der knappe Stil und die Illustrationen tragen ihr übriges dazu bei.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:37 Uhr.

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