Donnerstag, 28. März 2019

Rezension: Mararía (Rafael Arozarena)

Konkursbuch
Taschenbuch, 256 Seiten
ISBN:  978-3-887-69382-4
12,00 €

Ein kurzer Einblick

Als der Erzähler in das Bergdorf Femes auf Lanzarote reisen will, bringt ihn der Lastwagenfahrer nicht direkt dorthin, da im Dorf merkwürdige Dinge passieren. Nachdem der Erzähler das Dorf zu Fuß erreicht hat, erfährt er, dass sich diese Dinge um Mararía drehen, eine einst schöne Frau, die im Dorf lebt und alle Männer vor Ort verschmäht hat. Nach und nach lernt der Erzähler ihre Geschichte kennen…

Bewertung

Mararía gilt als der bekannteste Roman der Kanaren. Und tatsächlich erzählt der Roman nicht nur aus verschiedensten Perspektiven die spannende Geschichte über Mararías Leben, sondern fängt eindrücklich auch die Atmosphäre Lanzarotes ein. Parallel zur Handlung zeichnet Rafael Arozarena die landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten der Insel mit ihren kleinen Dörfern und Vulkanlandschaften nach, sodass der Roman sich auch super als Einstimmung auf einen Urlaub vor Ort eignet. Liest man den Roman nach einem dortigen Urlaub, fühlt man sich wieder zurückversetzt, kann in Erinnerungen schwelgen und sich an bekannte Orte erinnern.
Daneben hat die Handlung des Romans aber auch einiges zu bieten. Von verschiedenen Menschen des Dorfes sowie seiner Umgebung wird nach und nach enthüllt, warum einige die einst schönste Frau des Dorfes als Hexe oder Räbin bezeichnen. Durch die unterschiedlichen Perspektiven fliegt der Leser geradezu vor Spannung über die Seiten. Immer mal wieder werden Erzählungen abgebrochen und erst zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt, sodass kontinuierlich Spannung aufrecht erhalten wird.
Inhaltlich handelt es sich jedoch um eine sehr traurige Geschichte. Auch wenn die Handlung nie aus Sicht von Mararía erzählt wird, der Leser sie quasi nie direkt kennen lernt und er sich dadurch wenig mit ihr identifizieren kann, leidet er immer mehr mit ihr, je mehr er von ihrem Leben erfährt. Einerseits wird Mararía ihre Schönheit zum Verhängnis, andererseits wird ihr Leben durch das Handeln und die Feigheit anderer zerstört. Dadurch ist ihr keine Liebe und kein Glück vergönnt. Doch obwohl sie so viele Schicksalsschläge treffen, gelingt es Mararía immer wieder, auf die Beine zu kommen. Sie ist eine starke Frau, die sich behauptet und sich nicht herumschupsen lässt. Obwohl sie sich die meiste Zeit alleine durchschlagen muss, steht sie immer wieder auf. Dennoch zeigt der Roman eindrücklich auf, wie Schicksalsschläge Menschen verändern, an ihnen nagen und wie es irgendwann nicht mehr gelingt, sie zu überwinden. Im Roman wird dadurch eine starke, unabhängige Frau von der Männergemeinschaft des Dorfes, die sich keiner Schuld bewusst ist, zerstört.

Fazit

Mararía beschreibt in einem quälenden Prozess die Geschichte einer starken Frau, die durch die Gemeinschaft der Männer nach und nach zerstört wird. Die Handlung ist dabei voller Spannung konstruiert und vermittelt quasi nebenbei die Charakteristika Lanzarotes.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 17:17 Uhr.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

18 − 10 =