Dienstag, 07. Juli 2020

Rezension: Middlemarch (George Eliot)

dtv
Hardcover, 1152 Seiten
ISBN:  978-3-423-28193-5
28,00 €

Ein kurzer Einblick

Im England des 19. Jahrhunderts sind die Grenzen der Kleinstadt zugleich die Grenzen der Welt. Die meisten Menschen akzeptieren dies, jedoch nicht Dorothea und Tertius. Sie will ihr Wissen erweitern und er neue ärztliche Methoden anwenden. Um dies zu erreichen, sind sie bereit, einiges zu tun und auch vieles aufs Spiel zu setzen…

Bewertung

George Eliot, die eigentlich Mary Anne Evans hieß, hat unter ihrem männlichen Pseudonym eine beeindruckende Gesellschaftsstudie des Englands des 19. Jahrhunderts geschaffen. „Middlemarch“ spielt in der englischen Provinz und es sind vor allem die Frauen, die in diesem Roman eine zentrale Rolle einnehmen. Zwar handelt es sich keineswegs um einen feministischen Roman, dennoch wird er vor allem aus Sicht von Frauen erzählt. Die zentralste Figur ist Dorothea, die so sehr nach Wissen und einer sinnvollen Aufgabe im Leben strebt, dass sie sich selbst sehr stark zurücknimmt. Sie ist solch eine liebenswerte, aber zugleich auch naive Persönlichkeit, dass sie sich selbst zum Wohle anderer aufopfert und immer das Gute im Menschen sieht. Dies führt dazu, dass sie ungewollt irgendwann doch mehr Gestaltungsfähigkeit erhält, als sie selbst je gedacht hätte.
Damit bildet sie den Gegenpart zu den Frauen im Roman, die voll und ganz in der Rolle als Ehefrau aufgehen. Hier zeigt sich jedoch, dass fortschrittlichere Männer wie Tertius, die sich vergeblich ein anderes Miteinander wünschen, das nicht den damaligen gesellschaftlichen Konventionen entspricht, von diesen Frauen nur Enttäuschung erfahren können. Dies führt dazu, dass er irgendwann sehr isoliert ist und auch in seiner Frau keine Gesprächspartnerin findet.
Neben dem familiären Miteinander verdeutlicht der Roman eindrücklich die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse zwischen Adel und aufstrebendem Bürgertum, aber auch zu denjenigen in einfacheren Verhältnissen. Er zeigt auf, wie man durch seine Herkunft bestimmt ist und ihr noch nur schwer entkommen kann. Dies alles wird durch die dörflichen Verhältnisse noch zusätzlich verstärkt. Jeder kennt jeden und weiß etwas über jeden und dadurch ist es sehr schwer, den eingefahreren Verhältnissen zu entkommen. George Elliot schildert dieses provinzielle Leben in all seinen Facetten. Dadurch verfügt der Roman über eine Vielzahl an Figuren, von denen der Leser jedoch nur einige näher kennnen lernt. Bezeichnender sind dagegen die Verbindungen zwischen den Figuren, die einen Großteil der gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmen und deren Konstruktion des zentrale Element des Romans darstellt.

Fazit

George Eliot hat mit „Middlemarch“ einen der großen Gesellschaftsromane des Englands des 19. Jahrhunderts geschaffen. Der Roman besticht durch seine Vielzahl an Personen sowie deren Verbindungen zueinander. Er behandelt all die großen Themen des menschlichen Miteinanders sowie des Strebens nach Wissen und Geld und stellt dabei doch vor allem die Frauen der damaligen Gesellschaft in den Vordergrund.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 21:50 Uhr.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

siebzehn − 12 =