Samstag, 07. April 2018

Rezension: Mirador 2. Overworld (Dan Wells)

Piper
Taschenbuch, 432 Seiten
ISBN: 978-3-492-28022-8
13,00 €

Ein kurzer Einblick

Los Angeles geht vor die Hunde. Das bekommt Marisa Carneseca immer deutlicher zu spüren, als das Restaurant ihrer Familie kaum noch genug Gewinn erwirtschaftet, um die Miete des Hauses bezahlen zu können. Bei einer illegalen Aktion lernt Marisa den Freiheitskämpfer Alain Bensoussan kennen, der den Megakonzern KT Sigan zu Fall bringen will, da dieser aufgrund Monopolstellung mit überhöhten Preisen die Einwohner der Stadt ruiniert. Sie ist von Alain angetan und beginnt, über die Situation ihrer Stadt nachzudenken, als eben dieser Megakonzern bekannt gibt, ein Overworld-Turnier zu veranstalten. Marisa und ihr Team, die Cherry Dogs, bekommen eine Einladung, und zusammen mit Alain beschließen sie, gemeinsam die Machenschaften von KT Sigan zu stoppen.

 

Bewertung

In diesem zweiten Mirador-Roman geht es ums Eingemachte. Fast nahtlos an den ersten Teil angeschlossen, lernt der Leser nicht nur Marisa und ihre Freunde und Familie besser kennen, sondern auch die Welt, in der sie leben. Man bekommt mehr und mehr tiefe Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Charaktere und fühlt sich richtig mitgezogen. Dass das Hauptaugenmerk nicht nur bei Marisa liegt, sondern dieses Mal auch Fang und Jaya, welche nicht in L. A. wohnen und extra zum Overworld-Turnier eingeflogen werden, im Mittelpunkt stehen, hat mir besonders gefallen. Dass die Mädchen aus unterschiedlichen Kulturen und auch Religionen kommen, ist toll in die Geschichte eingebaut, denn auch wenn sie sich in der VR-Welt ihres Spiels kennen und verstehen, müssen sie sich jetzt, als sie sich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, doch erst einmal finden und miteinander klar kommen. Das ist am Anfang gar nicht so einfach und bewegend zu lesen, dass sie im Laufe der Geschichte immer mehr zusammenwachsen.
Insgesamt besteht die Geschichte aus drei Erzählsträngen: Im Mittelpunkt von „Overworld“ steht dieses mal ganz klar das Turnier, an welchem die Mädchen als Gruppe teilnehmen können. Da es sich dabei um ein internationales Turnier handelt, treten selbstredend auch Teams aus anderen Ländern an. Dadurch wird Dan Wells Zukunftsvision größer und spannender und man bekommt einen Einblick in das „Große Ganze“ dieser Welt.
Würde es in diesem zweiten Teil jedoch nur um das Turnier gehen, wäre es kein echter Dan Wells-Roman. Denn hinter dem Turnier steht ein Großkonzern, der mit seinen Machenschaften bereits ganze Viertel von Los Angeles in den Ruin getrieben hat. Die Komplexität der wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge macht die Story erst recht interessant.
Dazu kommt noch, dass Marisa endlich Licht in den Unfall ihrer Vergangenheit bringen will und einen geheimnisvollen Grendel sucht, der ihr entsprechende Informationen liefern könnte. Alle drei Handlungen laufen zunächst parallel zu einander, um im Laufe der Story immer mehr zu verschmelzen und für immer mehr Spannung zu sorgen. Ich muss gestehen, dass ich hinsichtlich des Turniers ein wenig enttäuscht wurde, denn so toll die einzelnen Spielszenen beschrieben wurden, kam es meiner Meinung nach etwas zu kurz, da es gerade beim Finalspiel mehr oder weniger nur als Kulisse gedient hat. Das wird sich im nächsten Band hoffentlich ändern und noch ausgebaut werden.
Die Enttäuschung hielt sich ehrlich gesagt aber auch sehr in Grenzen, da Wells diesen zweiten Teil wieder so bildgewaltig und berauschend geschrieben hat, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Und für alle Leser, die sich noch nicht so gut in diese hochtechnisierte Welt hineinlesen konnten, gibt es am Ende noch ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen, von Air Gap bis VR ist alles dabei.

Fazit

„Overworld“ ist lebendig, spannend und nimmt einen schnell gefangen. Es ist die perfekte Fortsetzung zu „Bluescreen“, lässt eine noch düsterere Zukunft im Kopf entstehen, als im ersten Teil, verrät aber noch nicht alle Geheimnisse von Marisas Vergangenheit und spannt am Ende noch einen dramatischen Bogen zum hoffentlich schnell erscheinenden dritten Band. Deshalb bekommt dieses Buch eine absolute Kaufempfehlung von mir.

4.5 von 5 Punkten

Wir danken Piper für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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Geschrieben von um 15:02 Uhr.

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