Dienstag, 02. Januar 2018

Rezension: Miss Minotaurus und der Huf der Götter (A. Lee Martinez)

Piper Verlag
Taschenbuch, 432 Seiten
ISBN: 978-3-492-28040-2
10,99 €

eBook, 8,99 €
ISBN: 978-3-492-96980-2

Ein kurzer Einblick

Die Götter sind launisch. Die Götter wollen unterhalten werden. Die Götter sind wahre Zicken. Als der Burger-Gott nach 300 Jahren aus seinem Gefängnis entkommt, legt er der Minotaurin Helen und dem Schönling Troy eine Quest auf. Erfüllen sie die Quest nicht, müssen die beiden sterben. Es beginnt eine Odyssee, die der Fantasy die Hände über den Kopf zusammenschlagen lässt.

Bewertung

Ein Roman von A. Lee Martinez – wieder mal das Gleiche oder etwas Neues? Ok, schnell die Liste abgehakt: Humorvoll? Check. Überzeichnete Charaktere? Check. Skurrile Ideen? Check. Seichte Unterhaltung? Check. Klamauk? Che… Kein Check. Im Prinzip macht der Autor das, was er immer macht. Eigentlich könnte ich eine alte Rezension kopieren, ein paar Wörter austauschen und wäre mit meiner Kritik fertig. Käme das dem Roman gerecht? Ja und nein. Denn das, was oft A. Lee Martinez Schwäche ist, macht er in »Miss Minotaurus« geschickt zur Stärke. Warum den Schreibstil verbessern oder ändern, wenn sich die Handlung anpassen lässt?
Aber von vorne: Helen und Troy werden von einem Hamburger-Gott verflucht und auf eine Odyssee aka ein Roadmovie geschickt. Sie müssen Quests erfüllen, um nicht sterben zu müssen. Sie werden von einer geheimen Organisation beraten / manipuliert und von einer freundlichen Ork-Biker-Gang verfolgt. Zum Leidwesen der Orks und der Helden will der Orkgott Blut sehen. Fragen werden beantwortet und nicht beantwortet. Da gibt es Regeln. Überhaupt gibt es für alles Regeln. Egal, was Helen und Troy angehen, es gibt Regeln. Nur kennt niemand den Ursprung oder denjenigen, der die Regeln macht. Aber dafür gibt es bestimmt auch eine Regel.
A. Lee Martinez ist schräg humorvoll, der Schreibstil gewohnt leichtgängig, der Fun-Faktor amüsant. Aber lustig ist der Roman nicht, lediglich hie und da ein paar Schmunzler aufgrund liebenswürdiger Ideen, die so nicht erwartet wurden. Spaß macht der Roman, gar keine Frage, denn der Roadmovie liest sich geschwind weg, eine Abwechslung jagt die nächste Quest, eine Idee heckt den nächsten Schabernack aus. Zyklopen, Drachen, Hexen, Schicksalgöttinnen – alles ist drin. Samt Helen, die unter Voll-Minotaurismus leidet, und Troy, dem coolen Schönling. Die Charaktere sind herrlich überzeichnet und gerade deswegen gut. Fantasy wird wohlwollend auf die Schippe genommen (ist bestimmt auch eine Regel) und Amerika ist an Helden auf Quests gewöhnt. Ganze Helden-Zweige haben sich auf die Durchreisen der Questenden spezialisiert. Manche Orte bauen Labyrinthe, Arenen oder sonstige Möglichkeiten, um attraktiv zum Questen zu werden. Es ist ein einträgliches Geschäft.
Und was ist nun mit der starken Schwäche? Viel zu oft hatte ich das Gefühl, dass A. Lee Martinez Handlungsstücke aneinanderreiht, ohne ein großes Ganzes zu modulieren. Eine Szenerie / Quest tauscht sich gegen die nächste aus. Immer amüsant, aber niemals gänzlich rund. Und was macht der Autor hier? Genau! Er baut auf einem Questsystem auf. Das kann man dem Roman wohl kaum negativ ankreiden. Netter Kniff, Herr Martinez.

Fazit

»Miss Minotaurus« ist ein typischer A. Lee Martinez. Humorvoll, rasant und leicht zu lesen, skurril und vor allem ideenreich. Nur der Witz, die Lachflashs fehlen. Dafür bügelt der Autor eine Schwäche aus. Der questartige Aufbau der Handlung kann nun wirklich nicht kritisiert werden, denn mehr Quests als in diesem Roman, gibt es nur in einem Videospiel.

3.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:25 Uhr.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

zwölf − drei =