Samstag, 15. Dezember 2018

Rezension: Mit der Faust in die Welt schlagen (Lukas Rietzschel)

Ullstein
Hardcover, 320 Seiten
ISBN:  978-3-55005-066-4
20,00 €

Ein kurzer Einblick

Die Brüder Philipp und Tobias wachsen nach der Wiedervereinigung in Sachsens Provinz auf. Als ihre Eltern ein Haus bauen, scheint das der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch die Vergangenheit, die Angst um den Verlust der Heimat und die Perspektivlosigkeit bestimmen ihr Leben. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt, wählen beide Brüder endgültig andere Wege, um mit der Situation umzugehen…

Bewertung

Lukas Rietzschels „Mit der Faust in die Welt schlagen“ wurde nach seiner Veröffentlichung von einem Großteil der deutschen Medienlandschaft gefeiert und man kann mit Recht sagen, es ist zur richtigen Zeit erschienen. Denn es trägt dazu bei, dass der Leser die Verhältnisse und Geschehnisse in den neuen Bundesländern besser kennen lernt. Der Roman erzählt ohne jede Wertung, wie sich Jugendliche in Sachsen entwickeln und welche Einflüsse dabei auf sie einströmen. So lernt man Personen kennen, denen eigentlich die Welt offen stehen würde, doch die sich in ihrer Perspektiv- und Ideenlosigkeit verlieren und bei dem verhaftet bleiben, was sie kennen. Die Eltern bieten wenig Orientierung und so schließt man sich aus Mangel an Perspektiven der scheinbar lustigen, trinkenden rechten Gruppe an. Obwohl auch anderes möglich wäre, gibt es keine Weitung der Perspektive und stattdessen erfolgt eher eine immer stärkere Fokussierung auf das Bekannte und zum Teil die immer stärker radikale Abgrenzung des Unbekannten. So wenden sich Personen scheinbar aus Langeweile rechten Aktivitäten zu und weniger aus einer tiefen ideologischen Auseinandersetzung. Dies ist jedoch keine zwangsläufige Entwicklung, denn der Roman zeigt auch auf, dass es viele gibt, die andere Wege gehen und Menschen in scheinbar ähnlichen Situationen unterschiedliche Entscheidungen treffen können.
Es sind also wahrscheinlich nur die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen, in welche Richtung sich das Leben eines Menschens entwickelt. Über diese kleinen Dinge vermag Lukas Rietzschel zwischen den Zeilen zu erzählen, jedoch wenig zu erklären, warum sie bei dem einen richtungweisend sind und bei dem anderen nicht. Das ist es, was den Roman ausmacht: er erzählt, aber die Leistung der Interpretation, Verknüpfung und des Erklärens muss der Leser selbst erbringen. So ist die Handlung wenig von Höhepunkten und Spannung beseelt und durch die lange Zeitspanne, über die berichtet wird, hätte man sich als Leser entweder eine stärkere Fokussierung oder eine intensivere Auseinandersetzung gewünscht. Nichtdestotrotz vermag der Leser zwischen den Zeilen einige prägende Elemente zu entdecken. Ob dies gelingt, hängt jedoch entscheidend damit zusammen, ob man mit dem ungewöhnlichen Schreibstil Lukas Rietzschels warm wird. Denn die Aneinanderreihung von Halbsätzen ist als Stilmittel doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Fazit

Lukas Rietzschels Roman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ ist zur richtigen Zeit erschienen und trägt mit seiner Erzählperspektive dazu bei, sich über die Situation der deutschen Gesellschaft Gedanken zu machen. Leider bietet der Roman jedoch wenig Erklärung und mit dem Schreibstil muss man auch erst einmal warm werden.

3.5 von 5 Punkten

Wir danken dem Ullstein Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Geschrieben von um 10:01 Uhr.

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