Samstag, 12. Mai 2018

Rezension: Mohr und die Raben von London (Vilmos und Ilse Korn)

Eulenspiegel Kinderbuchverlag
Taschenbuch, 478 Seiten
ISBN: 978-3-359-02484-2
9,99 €

Ein kurzer Einblick

Karl Marx, von seinen Freunden „Mohr“ genannt, lebt mit seiner Familie in London im Exil. Dort lernt er den dreizehnjährigen Joe Kling kennen, der täglich zwölf Stunden, auch nachts, in einer Baumwollspinnerei arbeitet, um seine Familie und den arbeitslosen Vater finanziell zu unterstützen. Sein Bruder Billy hat dagegen die Familie verlassen und ist der Anführer der „Rabenbande“. Mohr möchte den Klings helfen und taucht eines Nachts mit einem Insepktor in der Fabrik auf. Er überführt den Fabrikbesitzer der verbotenen Kinderarbeit. Dieser will sich daraufhin an Joe rächen…

Bewertung

„Mohr und die Raben von London“ war in der DDR in der sechsten Klasse Pflichtlektüre und passend zum 200. Geburtstag von Karl Marx in diesem Jahr ist es nun in einer neuen Auflage erschienen. Auf der Grundlage historischer Fakten erzählt der Roman die fiktive Geschichte der Familie Kling und ihres Zusammentreffens mit Karl Marx. Der Roman gilt als das bekannteste Marx-Buch für Kinder, sodass es quasi selbstverständlich war, dass er in der DDR im Schulunterricht gelesen wurde. Aber auch im vereinten Deutschland bietet der Roman durchaus einige interessante Informationen für Kinder und Jugendliche. So erfährt der Leser nicht nur einiges über das Leben und das Wirken Karl Marx´, sondern setzt sich auch intensiv und anschaullich mit den damaligen Lebensverhältnissen der Arbeiter auseinander. Da die handelnden Figuren im Roman insbesondere Kinder sind, bekommen jüngere Leser einen besonders authentischen Einblick, in welcher Situation sich Gleichaltrige um das Jahr 1850 befunden haben.
Insbesondere der Beginn des Romans zieht den Leser direkt in seinen Bann. Denn die Kling-Kinder haben monatelang eisern gespart, um ihrer schwangeren Mutter ein bequemes Bett kaufen zu können, doch ein Vorfall in der Fabrik gefährdet dieses Vorgaben und so zittert der Leser mit den Kindern, ob es ihnen doch noch gelingt, das Geschenk kaufen zu können. Dabei wird eindrücklich aufgezeigt, wie sich Kinder, die schon früh hart arbeiten müssen, verändern und zu kleinen Erwachsenen werden. Ihr Leben ist davon bestimmt, zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und sich um andere zu sorgen. Es ist damit ganz und gar das Gegenteil der Kindheit, wie wir sie heute kennen. Die Eltern sind Getriebene der schlechten Verhältnisse, in denen sie leben. Obwohl sie nur das beste für ihre Kinder wollen, zwingen die Verhältnisse sie dazu, die Kinder arbeiten zu schicken. Sie sind durch die schlechten Arbeits- und Lohnbedingungen genauso hilflos wie ihre Kinder und haben ebenso wenig Möglichkeiten, dieser Situation zu entrinnen.
Durch die Situation der Kinder und Eltern wird im Roman eindringlich dargestellt, unter welch schlechten Arbeit- und Lebensbedingungen die Menschen im 19. Jahrhundert leiden mussten und welche Macht die Fabrikbesitzer und Reichen in der Gesellschaft besaßen. Hier wird mittels einfacher Schwarz-Weiß-Darstellungen der Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital aufgezeigt und zugleich über die Person Karl Marx´ sowie einiger Arbeiter, die sich gegen die schlechten Bedingungen erheben, dargestellt, wie dieser Situation zu entrinnen ist. Damit wird in die Lehren Karl Marx´eingeführt und zugleich seine Person genauer vorgestellt. So erfährt man nicht nur einiges über seine politischen Vorstellungen, sondern auch über ihn und seine Familie. Es wird deutlich gemacht, dass es eben nicht nur die Arbeiter waren, die unter schrecklichen Bedingungen zu leiden hatten. Insbesondere ab der Hälfte des Romans wird sehr ausführlich die Situation Karl Marx´ und einige Grundzüge des Märchens Hans Röckle dargestellt, was zwar interessant ist, jedoch an Spannung der ersten Hälfte des Romans etwas zurücksteht.

Fazit

„Mohr und die Raben von London“ verdeutlicht Kindern auf einer angemessenen Ebene die Lebensbedingungen des 19. Jahrhunderts und lässt sie das Leid der Arbeiter und ihrer Familien eindringlich nachempfunden. Zugleich erfahren sie einiges über das Leben und Denken von Karl Marx, auch wenn seine Person etwas glorifizierend dargestellt wird.

4 von 5 Punkten

 

Geschrieben von um 10:31 Uhr.

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