Mittwoch, 06. September 2017

Rezension: Monster Hunter International 5. Ein Monster sieht rot (Larry Correia)

Bastei Lübbe
Paperback, 496 Seiten
ISBN: 978-3-404-20872-2
16,00 €

eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-7325-4073-0

Ein kurzer Einblick

Agent Frank ist eine Ein-Mann-Armee. Franks ist der moderne Frankenstein, zusammengesetzt aus menschlichen Körperteilen und ausgetattet mit übermenschlichen Kräften. Stricken unterdessen möchte dreizehn neue Kreaturen erschaffen. Als Agent Franks davon Wind bekommt, darf die Action beginnen. Gnadenlos, unbarmherzig – Franks Hass auf Stricken ist grenzenlos.

Bewertung

Für die einen mag »Ein Monster sieht rot« Trash im wahrsten Sinne des Wortes sein, für die anderen ist der Roman eine Perle kerniger Action und prächtiger Unterhaltung. Das Schmuckstück hat sich eine Glanzpolitur gegönnt. Stellt euch einen Comic vor, der auf der Kinoleinwand mit bombastischen CGI-Effekten zu glänzen versteht, aber den Regisseur abermals gewechselt hat. Statt ein KABOOM der Marke Michael Bay, wartet die Story mit muskelstrotzender Action im Stil eines Terminators auf. Waffen rattern, Raketen detonieren, Fäuste prügeln die Scheiße aus dem Leib.

Franks ist ein Agent des Amtes für Monsterkontrolle. Er ist aber auch ein Fleischgolem mit Geheimnis, der auf der SUMF-Immunitätsliste der Regierung steht. Von einem Wissenschaftler erschaffen, stellte er seine Fähigkeiten unter der Regierung von George Washington zur Verfügung. Ein Pakt verbietet es Amerika, weitere Golems zu erschaffen. Ein Bruch desselben, ließe Franks Amok laufen. Franks ist eine unaufhaltsame Kampfmaschine, er verschrieb sein Leben dem Kampf gegen das Böse, er ist ein gefürchteter Feind und kaum zu bezwingen. Die Geheimorganisation SEKE unter dem Titel Einhorn, fordert ihn zu einem Machtspielchen unter dem Mantel der Heimlichkeit und Täuschung heraus.

Ausgefeilte Tiefgründigkeit in Story oder Charakteren zu suchen, sollte auch im fünften Roman der »MHI«-Reihe vermieden werden. Und doch ist der Roman mitteilsam wie selten. Zu jedem Kapitelanfang wird ein Rückblick auf Franks Entstehen, die Etablierung als Monster und schließlich als Agent geworfen. Der eiskalte Franks wird seiner Kaltblütigkeit nicht beraubt, Moralsystem und Entscheidungen aber endlich erklärt. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr ganz so sehr auf KABOOM und knallharter Action. Ein Resultat dessen, dass Agent Franks zumeist alleine agiert und viel lieber Fäuste sprechen lässt. Der Leser muss auf Owen Pitt und seine ballerwütigen Freunde verzichten. Weiterhin aber vermischen sich Horror, Thriller und Urban Fantasy zu rasantem Spaß und unglaublichem Unterhaltungswert. Von Anfang an liegt eine vibrierende Spannung in der Luft. Das Tempo des Romans stapft in einer Forschheit dahin, die der unaufhaltsamen Wand eines Franks entspricht. Larry Correia nimmt sich neben den Ballersequenzen deutlich mehr Zeit für Story und Agent Frank. Einerseits erreicht der Autor das durch Rückblenden in Form von Einschüben, andererseits durch reduzierte Action. Franks Motivation wird auf eine solide und glaubwürdige Substanz gestellt, demgegenüber wird die Ignoranz, Blindheit und gewissenlose Experimentierfreude von SEKE als Wahnsinn dargestellt. Einen Wahnsinn, der die Handlung gnadenlos antreibt.
Neben der erheblich ausgereifteren Handlung gibt es wenig zu berichten. Die Charaktere sind ausgedünnt, denn Franks ist ein Einzelgänger. Gegenspieler, Mitspieler, Randfiguren werden mal mehr, mal weniger gründlich skizziert; ganz im Rahmen dessen, um Figuren ausreichend einzuführen. Einzig Stricken, der Chef von SEKE, als Franks erklärter Todfeind wird charakterlich weiter ausgebaut. Bisher agierte er als graue Eminenz im Hintergrund, wie weit seine Skrupellosigkeit reicht, konnte nicht im Ansatz erahnt werden. Uralte Verträge, Regierungen – Stricken ist sein eigener Chef, der eine neue Weltordnung etablieren will. Dass er dabei auch nur das Opfer eine viel größeren Macht aus einer anderen Dimension ist, macht ihn nicht weniger gefährlich.

Logik? »Ein Monster sieht rot« ist bodenständiger als die bisherigen Romane, aber Logik darf auch hier nicht groß geschrieben werden. Die martialischere Handlung, die Experimente, die komprimierte Handling, die sich auf den Fixpunkt des Kampfes zwischen Franks und Stricken konzentriert, trägt sehr dazu bei. Ausflüge in fremde Dimensionen, städtezerstörende Monster bleiben aus. Die Story führt glaubhaft die Story fort, die sich im letzten Teil »Monster sehen und sterben« angekündigt hat. Natürlich ist die Handlung nach wie vor nicht das A und O, der Spaß steht an erster Stelle. Hier kann der Roman nicht an den Erfolg des Vorgängers anschließen. Es fehlt die haarsträubende Action, Charaktere zum Mitfiebern – vor allem KABOOM. Wo aber sind die Heavy-Metal Orks, Hip-Hop-Zwerge und Zombiebären? Wo ist das Kuriose? Die Party ist erfolgreich, das Glückskoma dümpelt vergessen im Keller herum.

Fazit

Markante Action, übertrieben coole Explosionen und martialische Gefechte gegen Regierungsagenten und Wissenschaftsexperimente: Das macht übelst Laune, liefert mordsmäßigen Spaß und bietet besten Unterhaltungswert. Die Handlung steht bedeutend mehr im Vordergrund, blättert die Seiten im Minutentakt um, doch die Rasanz der Story zerreibt sich an der gemächlicheren Gangart Franks. Die Boxhiebe Franks prügeln das Rückgrat dafür auf den nächsten Kontinent.

4 von 5 Punkten

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Geschrieben von um 10:21 Uhr.

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