Sonntag, 22. Dezember 2019

Rezension: Monster Hunter International 6. Monster zähmen leicht gemacht (Larry Correia)

Bastei Lübbe
Paperback, 494 Seiten
ISBN: 978-3-404-20938-5
16,00 €

eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-7325-6097-4

Ein kurzer Einblick

Das Symposium der Monsterjäger in Las Vegas endete in einer Katastrophe. Das Last Dragon wurde in die Alptraumwelt gesogen und nicht alle Monsterjäger konnten entkommen. Mithilfe eines Zyklopen erfährt Owen Zastava Pitt, dass ein paar der Jäger noch am Leben sind. Er überzeugt den Werwolf Earl Harbinger, eine Rettungsmission aufzubauen, die die Welt noch nicht gesehen hat.
Monster, es gibt sie wirklich. Habt ihr ein Monsterproblem, ruft MHI.

Bewertung

Für die einen mag »Monster zähmen leicht gemacht« Trash im wahrsten Sinne des Wortes sein, für die anderen ist der Roman eine Perle kerniger Action und prächtiger Unterhaltung. Das Schmückstück hat nach dem Erklimmen des Action-Throns Kerben bekommen. Nach wie vor glänzen die CGI-Effekte, die Ketten des Panzers rasseln, die Sprengwaffen schlagen Krater in den Erdboden und das Maschinengewehr rattert bis der Lauf nicht nur am Glühen, sondern am Schmelzen ist. Leider hat dieses Mal der falsche Regisseur das Kopfkino übernommen und einen Military-Fantasy-Film auf die Leinwand gebracht.

Owen Pitt war Buchprüfer. Nun ist er Monsterjäger, angestellt bei Monster Hunter International, einem geheimen, privaten Unternehmen, das von der Regierung geduldet wird. Erst zog er den Zorn eines großen Alten auf sich, dann wird er zum Auserwählten erklärt und schließlich macht Owen Pitt sich das absolut Böse zum auserkorenen Feind. Ärgerlicherweise hat sich der Dämonengott auf einer russischen Insel eingenistet – und die Russen reagieren empfindlich darauf, wenn Ausländer mit Sprengmaterial und Waffen, die eine komplette Armee ausstatten können, sich auf ihrem Land befinden. Doch Owen wäre nicht Owen, wenn er den Plan aufgeben würde. Nicht nur den Dämonenkönig gilt es zu besiegen, auch seine Freunde aus dem Alptraumreich müssen gerettet.

Ausgefeilte Tiefgründigkeit in Story oder Charakteren zu suchen, sollte auch im sechsten Roman der »MHI«-Reihe vermieden werden. Larry Correia kennt die Stärken der Romanreihe ganz genau: KABOOM und knallharte Action. Doch besinnt er sich dieses Mal zu sehr auf die Stärken, denn Explosionen können keine Geschichte erzählen. Der Beginn des Romans startet ebenso sehr faszinierend wie die anderen Teile und das Ende hätte auch einem cineastisch inszenierten Film von Zack Snyder entstammen können. Bildgewalt, pompöse Action, die Vermittlung der Faszination an Waffen und ein gutes Gespür für das Erzähltempo bestimmen den Mittelteil. Hier und da entflammt eine zündende Idee, um das Einerlei vor dem epischen Endkampf zu durchbrechen. Gänzlich hätte sich das Dahinplätschern vielleicht auch nicht vermeiden lassen, wenn Correia deutlich machen will, in welchen materialistischen Dimensionen und Mannstärke die Schlacht geplant wird, eine Straffung oder zumindest der Einschub von einfallsreichen Fantasy-Kreaturen (die Heavy-Metal Orks und Wohnwagen-Elfen brauchen dringend Nachschub) wäre bitter nötig gewesen. Zum Glück treibt die Planung voran, eilt die Invasion der Dämoneninsel heran. Eines muss man dem Autor hoch anrechnen: Obwohl der Mittelteil sich streckt, wirklich langweilig wird es niemals.
Die gleiche Schwäche, die die Handlung ereilt, ereilt auch die Figuren. Zwar aus einem plausiblen Grund heraus, sodass das Manko weniger ins Gewicht fällt, doch ist dies ein weiterer Funke, der sich als Blindgänger entpuppt. Julie Shackleford ist hochschwanger und kann an der Mission nicht teilnehmen. Owens Vater liegt im Sterbebett. Der knallharte Actionheld wird zum gefühlsduseligen Menschen, denn trotz aller Waffenliebe ist er kein eiskalter Kotzbrocken. Während der Planung und der Schlacht ist keine Zeit für Gefühle, denn Gefühle gefährden die Mission. Da die Mission aber nur laufende Steroide, Kaliber für alle Waffengattungen und in Stücke gesprengte Dämonen erlaubt, bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke. Zwar ist und soll die »MHI«-Reihe auch mit diesem Band kein Schnulzen-Popcorn werden, doch hätte man die erzählerische Problematik anders lösen können.

Die Heavy-Metal Orks sind zurück und mit ihnen das Wohnwagen-Volk der Soap Opera guckenden Elfen. Sich gegenseitig verhasst wie eh und je, müssen die Völker beisammenstehen, müssen sich die Monsterjäger aller Länder und Staaten vereinen, denn das absolut Böse steht im Begriff zu erwachen und die Menschheit zu vernichten. Wohin sind die einfallsreichen Ideen gegangen? Der Ebay-liebende Geschäftsführer, die Hip-Hop-Zwerge? Stattdessen werden alte Ideen aufgewärmt. Erst zum Ende hin, darf das Böse imponieren und mit frischem Wind und bombastischer Inszenierung posaunen, dass das Böse deutlich coolere Wesen anzubieten hat. Schade, dass dieses sogleich mit KABOOM aus jeglicher Existenz gefegt wird.

Fazit

Markante Action, übertrieben coole Explosionen und martialische Gefechte gegen Dämonen und Feien aus dem Alptraumreich: Das macht übelst Laune, liefert mordsmäßigen Spaß und bietet besten Unterhaltungswert. Die Handlung repräsentiert sich durch Berge von Sprengkraft, glühenden Läufen und rauchenden Kratern. Die Armee der Monsterjäger ist auf dem Vormarsch und kein Riese aus mythologischer Vorzeit vermag sich ihr den Weg zu stellen.

3.5 von 5 Punkten

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Geschrieben von um 19:32 Uhr.

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