Mittwoch, 22. November 2017

Rezension: Mudbound (Hillary Jordan)

Pendo Verlag
Klappenbroschur, 384 Seiten
ISBN: 978-3-86612-456-1
15,00 €

Ein kurzer Einblick

Mississippi im Jahr 1946: Laura McAllan zieht für ihren Mann Henry gemeinsam mit den beiden kleinen Töchtern auf eine kleine Baumwollfarm, die ihr Ehemann gerade gekauft hat. Es fällt ihr schwer, sich einzuleben, gibt es doch auf Mudbound weder fließendes Wasser noch Strom, dafür bei Regen jede Menge Schlamm und einen über die Ufer tretenden Fluss, der sie von der restlichen Welt abschneidet. Unterstützt wird die Familie von ihren afroamerikanischen Pächtern, den Jacksons, insbesondere die kämpferische Florence hilft Laura, wo es nur geht. Als jedoch Florences Sohn Ronsel und Lauras Schwager Jamie aus dem Krieg heimkehren und sich anfreunden, spitzt sich die Situation dramatisch zu…

Bewertung

Ich war zunächst unentschlossen, ob ich diesen Roman lesen sollte, da das Cover etwas zu sehr nach einem typischen Frauenroman aussah, doch als ich mehr über den Inhalt nachlas und auch mehr über die Verfilmung von Netflix erfuhr, war ich doch sehr gespannt auf das Buch. Dies stellte sich als absolut richtige Entscheidung heraus, denn seit langem habe ich nicht mehr solch ein ausdrucksstarkes Werk gelesen. Es ist in drei Hauptteile gegliedert, die sich hauptsächlich mit dem Kauf und dem Leben auf der Farm kurz nach dem Krieg beschäftigen, in kurzen Rückblenden werden aber auch Lauras und Henrys Kennen lernen und kurze Kriegssituationen von Ronsel und Jamie behandelt. Dabei wechselt stets der Erzähler, jedes Kapitel wird aus der Sicht einer der Hauptfiguren erzählt, wobei Laura vom Gefühl her am meisten zu Wort kommt. Diese wechselnde Sicht auf die Ereignisse trägt entscheidend zur Vielschichtigkeit des Buches und zum Einfühlen in die Charaktere bei. Diese sind durchweg sehr lebensnah und psychologisch tiefgehend gezeichnet. Man fühlt mit ihnen mit, kann ihre Ängste und Sorgen nachvollziehen, ist aber bei einigen auch geschockt über ihren Rassismus, der auch vor Gewalt nicht Halt macht.
Diese Hauptthematik des Buches wird eindrucksvoll herausgestellt. Die Autorin bietet dem Leser damit wirklich keine leichte Kost, oftmals saß ich fassungslos vor dem Roman, wenn die demütigende und ungerechte Behandlung der Jacksons geschildert wurde, die leider tatsächlich Realität war. Ein interessanter Bogen wird zu den Änderungen durch den Kriegseintritt vieler schwarzer Soldaten gespannt, die in Europa besser als in ihrer Heimat behandelt wurden und durch ihren Dienst am Vaterland auch zu Hause nach ihrer Rückkehr mehr Rechte forderten. Damit einher geht auch eine zweite wichtige Thematik des Buches: der Kampf der Kriegsheimkehrer mit den Grauen, die sie im Krieg erlebt haben. Diese führen Ronsel und Jamie über alle Unterschiede zwischen ihnen hinweg erst zusammen und setzen damit auch die dramatischen Ereignisse erst in Gang, mit denen der Roman abschließt. Es wird einfühlsam auf Ronsels und Jamies Versuche, wieder ein geordnetes Leben zu führen, eingegangen, was ebenso dazu beiträgt, dass das Buch derart unter die Haut geht.
Dies wurde auch durch den sehr intensiven Schreibstil gefördert, der sich durch den gesamten Roman zieht und einen das Buch kaum aus der Hand legen lässt. Man versinkt in der Geschichte, durch die anschauliche Erzählung ersteht Mudbound vor dem geistigen Auge auf, so dass man beinahe selbst Teil der Geschichte wird. Die melancholische Stimmung und die emotionale Handlung packen einen bis zur letzten Seite, was dieses intensive Leseerlebnis nur noch steigert. Wenn auch einzelne Aspekte ein wenig vorhersehbar waren, schmälert dies keineswegs die überaus gelungene Handlung des Buches, die den Leser aufrüttelt und völlig geschafft und nachdenklich zurücklässt.

Fazit

„Mudbound“ ist kein leichtes Buch, das man schnell nebenbei herunterliest und direkt wieder vergisst. Es erschüttert, schockiert, bewegt, fesselt und unterhält zugleich. Zudem ist es ein ausdrucksstarker Appell gegen Rassismus jeglicher Art, gerade heutzutage immer noch absolut aktuell und wichtig. Ich bin gespannt auf die Verfilmung, wobei sie sicherlich nicht an ihre herausragende Buchvorlage heranreichen wird können.

4.5 von 5 Punkten

Wir danken dem Pendo Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Geschrieben von um 12:13 Uhr.

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