Dienstag, 10. April 2018

Rezension: Planetenjäger (Daniel Abraham, Gardner Dozois, George R. R. Martin)

Penhaligon
Klappenbroschur, 352 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3172-0
14,99 €

eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-641-19293-8

Ein kurzer Einblick

Ramón Espejo arbeitet als Prospektor auf dem Planeten São Paulo, der erste vor wenigen Jahrzehnten kolonisiert wurde. Als er den europäischen Botschafter umbringt, flüchtet er vor der Justiz in die Wildnis und wird von einer fremden Alienrasse gefangen genommen. Als ein anderer menschlicher Gefangener den Aliens entkommt, setzen sie Ramón als Spürhund ein. Der Flüchtige darf die nächstgelegene Kolonie nicht erreichen, die Entdeckung der Existenz der Aliens muss um jeden Preis verhindert werden.

Bewertung

Keine Weltraumschlachten. Keine wilden Hetzjagden. Keine Actionbombastik. Egal, was der Titel und das Cover suggerieren könnten, »Planetenjäger« ist ein ruhiger Roman, der sich auf die Hauptfigur Ramón Espejo und die Frage nach dem, was der Mensch ist und was den Menschen ausmacht, konzentriert. Das macht die Handlung einfach, aber nicht weniger spannend. Alien und gefangener Ramón jagen flüchtigen Menschen – kurz und knackig. Martin, Abraham und Dozois schmücken die Handlung weiter aus, doch dient dies hauptsächlich der Charakterisierung und des Worldbuildings. Das gelingt den Autoren vortrefflich. Die Handlung und die Spannung leben aber von den Gegensätzlichkeiten des Menschen gegenüber des Aliens und von dem Kniff, der die komplette Handlung bestimmt. Zu gerne würde ich hier drauf eingehen, doch der Spoiler wäre zu groß. Ich formuliere es so: Der Roman bietet sehr viel mehr, als diese Rezension wiedergeben kann.

Was ist der Mensch? Eine philosophische Frage, die schwer zu beantworten ist. Das Autoren-Trio versucht sich daran und stellt dem eine fremde Alienspezies gegenüber, deren Verständnis mit unsem kaum etwas gemein hat. Doch zunächst zu Ramón Espejo: Er ist ein jähzorniger, dem Alkohol zugeneigter Menschen mit einer Freundin, die streitsüchtig und eifersüchtig ist. Ihre Beziehung funktioniert nur, weil keiner der beiden alleine sein möchte. Ramón macht sich Gedanken über die Zukunft, ihn plagen Sorgen und scheißen und pissen muss er auch noch. Letzteres muss jeder Mensch, erstere Dinge treffen auf viele Menschen zu. Das macht uns, den Menschen aus. Wir haben Grundbedürfnisse; körperliche als auch seelische. Jeder ist anders, jeder ist ein Unikat.
Die Alienrasse hat diese »missratenen« Funktionalitäten überwunden. Ein Hätte-Wäre-Wenn ist ihnen zuwider. Diese Funktion beeinträchtigt das Sein. Nahrung, die nicht restlos verdaut werden kann, ist ihnen zuwider. Diese Funktion ist unvollkommen. Lachen, weinen, sauer sein, Emotionen zu haben, ist ihnen zuwider. Diese Funktion beeinträchtigt die Handlung. Ein Individuum ist alleinig dazu geschaffen, eine Funktion zu erfüllen. Ist die Funktion erfüllt, wird das Individuum beseitigt. Jegliche Eigenschaft, die diese Funktion beeinträchtigt, wird nicht geduldet.
Aus diesen Widersprüchlichkeiten heraus, entsteht so mancher treffliche Dialog oder Szenerie. Ein Mensch ist den Aliens entkommen. Wie sollen sie ihn aber jagen, wenn die Spezies Mensch nicht verstanden wird? Sie nehmen also einen Gefangenen mit auf Jagd, beobachten ihn und versuchen zu verstehen. Wie wird der Gefangene sich mit seinen unzulänglichen Funktionen verhalten? Die Perspektive liegt zwar bei Ramón, aber dieser nimmt natürlich die Reaktionen des Aliens auf sich und sein Verhalten war. Gleichzeitig prägt Ramón diese Beobachtung und er beginnt selbst über Aktionen nachzudenken, die er unbewusst ausführt.

Fazit

Martin, Abraham und Dozois beweisen, dass eine seichte Handlung auch eine gute Handlung sein kann. Nämlich dann, wenn gute Ideen, gut geschriebene Dialoge und gegensätzliche Eigenschaften versuchen miteinander zu harmonieren. »Planetenjäger« ist ein ruhiges Stück Literatur, das nachdenklich über Verhaltensweisen des Menschen stimmt. Gleichzeitig nimmt der Roman sich nicht als Roman der Philosophie war, sondern als Unterhaltungsliteratur. Damit haben die Autoren alles richtig gemacht.

4.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:53 Uhr.

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