Dienstag, 17. November 2020

Rezension: Rune (Brian Hodge)

Festa Verlag
Paperback, 317 Seiten
ISBN: 978-3-86552-017-3
9,90 €

Ein kurzer Einblick

Mount Vernon, Illinois: Chris Anderson und seine Freunde Rick und Phil benennen den idyllischen Hain mit den drei Seen Tri-Lakes. Abgeschieden von der Stadt und ungesehen von den elterlichen Augen, können sie hier Dosenbier saufen, Mädchen beeindrucken und die letzten Wochen vor dem College genießen. Tri-Lakes ist jedoch von einer bösen Macht besessen, die nach dem Blut der Jugendlichen giert.

Bewertung

Ende der 1980er Jahre. Mount Vernon ist ein kleines Städtchen im US-Staat Illinois. Hier lebt es sich gut, eine Zukunft für die Jugend gibt es hier nicht. Die meisten ziehen weg. Chris Anderson, Rick Woodward und Phil Merkley verbringen ihre freie Zeit bis zum College mit Ferienarbeit und dem abendlichen Herumhängen bei Tri-Lakes, einem abgelegenen Hain mit drei kleinen Seen. Als Chris eine zunehmend bedrückende Gefahr spürt, ist es bereits zu spät. Gewaltsame Auseinandersetzungen und schlimme Unfälle mehren sich. Der Geist eines vor Jahrhunderten verfluchten Wikingers sucht Tri-Lakes heim. Vorläufiger Höhepunkt der grausigen Ereignisse ist das spurlose Verschwinden von Rick.

»Rune« ist ein typischer Coming of Age-Roman. »Rune« ist eine typische Rachegeschichte eines hasserfüllten Geistes. Die vor sich hinplätschernden Jugendgeschichten weichen nach und nach einer Wikingerlegende, die die Spannung vereinnahmt. Dabei sind es die Figuren, die mit ihrem unaufdringlichen Charakter der Handlung Leben einhauchen. Sie saufen Dosenbier, finden Gefallen an Mädchen, sinnieren über ihre Zukunft und wägen das Für und Wider gegen ein Bleiben in Mount Vernon ab. Wir, der Leser, nehmen teil am Leben der Jungen. Ab und an blitzt das Alltagsgrauen namens Mobbing, häusliche Gewalt oder die Verachtung niedriger gestellter Gesellschaftsschichten durch, wird aber niemals tiefer thematisiert. Das muss es auch nicht, denn dies soll nur den Alltag der Freunde mehr Tiefgang verleihen. Der ist es jedoch, der dahinplätschert. Es ist ein schon fast allzugenaues Abbild der verschwimmenden Tage, die gleichförmig die Zeit bis zum College verkürzen. Brian Hodge gelingt es aber nicht, die Gleichförmigkeit interessant in Worte zu fassen. Stattdessen wiederholen sich die Abschnitte und werden nur durch den Wikingerhorror aufgepeppt. Doch selbst der Horror bleibt lange Zeit eine bedeutungslose Bedrohung, bis Chris Träume Auswirkungen auf sein Wohl in der Realität haben, bis der Wikinger eine tödliche Bedrohung wird. Natürlich muss sich die Gefahr steigern, aber sie muss eben auch als Gefahr wahrgenommen werden können. Lange Zeit schenkt man ihr ein müdes Lächeln und wartet halt mal ab, was so passiert. So schlimm wird es schon nicht werden. Richtig übel wird es allerdings werden, denn der Wikingergeist bedroht nicht nur Chris‘ Leben …

Fazit

»Rune« wäre ein richtiger guter Coming of Age- und Horror-Roman, hätte Brian Hodge die Würzung nicht vergessen. Die Einfachheit des Romans ist genau richtig gewählt, um die Eintönigkeit des Alltags widerzugeben, die simple Rachegeschichte des Wikingergeistes kann seine Wirkung durch die Reduzierung auf das Wesentliche entfalten. Die Erzählung spiegelt das aber nicht wieder, hier hätte Brian Hodge mehr mit Worten und Atmosphäre arbeiten müssen, anstatt auf die Handlung zu vertrauen.

3 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:55 Uhr.

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