Dienstag, 26. Dezember 2017

Rezension: Seelenhandel (Kealan Patrick Burke)

Luzifer Verlag
Klappenbroschur, 296 Seiten
ISBN: 978-3-95835-045-8
12,99 €

eBook, 4,99 €
ISBN: 978-3-95835-046-5

Ein kurzer Einblick

Hinter der Stadtgrenze von Milestone treffen sich in Gracies Kneipe die Stammgäste. Eines haben sie gemeinsam: einen Mord. Reverend Hill lässt sie für ihre Taten büßen und entsendet sie im Namen der Buße auf eine weitere Mordmission. Genau eine Stunde vor Mitternacht taucht der Reverend einmal im Monat auf. Der Nudist Cobb ist unbeliebt, Kadaver mit seinem Stimmbandemulator unheimlich, Wintry, der seit 14 Jahren nicht mehr gesprochen hat, merkwürdig – aber Reverend Hill ist gefürchtet.

Bewertung

Ein malerischer Ort im Nirgendwo, eine nette Gemeinde, heimelige Kneipenrunden bei lustigen Gesprächen und Alkohol. Von wegen! Milestone war ein angesehenes Kaff, als Bergbaugesellschaften für Reichtum sorgten. Nun ist der Ort heruntergekommen, bietet keine Arbeitsplätze und die Leute leben von …? Gute Frage. Dreck am Stecken haben sie aber alle. Der Sündenpfuhl ist ein Festessen für Reverend Hill. Einmal im Monat, genau eine Stunde vor Mitternacht, erteilt der Reverend den Stammgästen aus Eddies Taverne den Befehl zum Mord. Die Sünden müssen rein gewaschen, die Schuld der Vergangenheit muss abgearbeitet werden. Dieses Mal jedoch, geht alles schief.
Gracie ist die Besitzerin der heruntergekommenen Kneipe. Durch einen in ihre Brust tätowierten Fluch durch ihren bezaubernden Vater ist sie an die Kneipe gebunden. Tom ist Sheriff des Ortes. Immer wenn er das Radio im Truck einschaltet, manifestiert sich seine Frau im Geisterrauch. Sein Sohn Kyle hasst ihn. Unterm Kneipentisch ist eine Knarre unentwegt auf seinen Vater gerichtet. Abgedrückt hat er noch nie. Der Nudist und Heiler Cobb darf nur auf einem Barhocker sitzen. Der Riese Wintry hat seit 14 Jahren kein Wort mehr gesprochen. Flo ist die stadtbekannte Straßenschwalbe. Zuletzt sitzt in der düsteren Ecke Kadaver, der seine Pennys stapelt und zählt; immerhin riecht er noch gut. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie haben einen Mord begangen. Und dafür lässt Reverend Hill sie büßen.
Was haltet ihr von der Ausgangslage? Klingt diese vielversprechend? Schreit der Plot nach 0815 oder einem nervtötenden Dauerstreit zwischen den Figuren? Wendet die Kirche die falschen Methoden zur Buße an oder hat der Teufel diese unterwandert? Sind die Einwohner Schuld an ihrem Desaster – hätten ja keinen Mord begehen müssen? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. »Seelenhandel« ordnet sich in der Genreecke Horror und Sarkasmus ein. Der Plotverlauf ist kaum vorhersehbar, dümpelt aber erzählerisch düster-packend dahin. Die Taten der Figuren sind geprägt durch Verzweiflung auf der Suche nach Erlösung. Die Charakterisierung findet in knappen Sätzen und Handlungsoffenbarungen statt. Das ist gut, das ist wirklich gut. Kaum ein Roman bietet so viele abwechslungsreiche Charaktere mit unterschiedlichen Geschichten und so vielen Überraschungen im Handlungsverlauf. Der sarkastische Unterton, der unentwegt mitschwingt, verleiht eine ganz spezielle Note, die den Roman dem Horror entzieht und eher eine düstere makabere Komödie daraus macht. Kealan Patrick Burke schafft es nicht, eine durchweg spannende Geschichte zu erzählen. Und das ist der Mord am Spannungsbogen. Es nützt wenig, wenn Storyelemente überraschen, Figuren und ihr Charakter faszinieren und dabei eine durchaus außergewöhnliche Story herumkommt, wenn sich die einzelnen Abschnitte zu fragmentiert lesen. Im Prinzip sind Ereignisse durch Lückenfüller aneinandergekettet. Hätte man die Reihenfolge der einzelnen Ereignisse neu ausgewürfelt und gegen passende Verbindungsstücke ersetzt, hätte man ebenfalls einen Roman erhalten.

Fazit

»Seelenhandel« hat eine einzige Schwäche, die dem Roman das Genick bricht: Die Storyteile sind zu sehr fragmentiert, als das eine zusammenhängende spannende Story möglich gewesen wäre. Andauernd passiert etwas, die Charaktere sind faszinierend, der Schreibstil düster-sarkastisch, die Handlungsstücke überraschend abwechslungsreich. Aber der Funke, der all die Einzelteile zu einem Gesamtergebnis zusammenschweißt, springt einfach nicht über.

3 von 5 Punkten

Geschrieben von um 09:19 Uhr.

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