Montag, 05. August 2019

Rezension: Seelensterne (Susanne Ertl)

Rabenwald Verlag
Taschenbuch, 454 Seiten
ISBN: 978-3964432643
11,99 €

Ein kurzer Einblick

In „Seelensterne“ sind die vier Einzelbände „Schneestern Trean – Wenn Sterne verblassen“, „Blütenstern Aleya – Wenn Sterne untergehen“, „Sonnenstern Keron – Wenn Sterne sich erheben“ und „Nebelstern Milena – Wenn Sterne erstrahlen“ vereint. Die Handlung spielt in der Stadt Lewara und deren Umgebung, welche das Zentrum des Gleichgewichtes zwischen Sternen und Nachtwanderern ist. Die Jägerin Namila ist eine von vielen, die dafür sorgen, dass das Gleichgewicht bestehen bleibt. Doch als persönliche Gefühle ins Spiel kommen, droht das empfindliche Gleichgewicht zu kippen und unaufhörlich bahnt sich ein Krieg zwischen den Fronten an, der das bisherige Leben in Lewara verändern wird.

Bewertung

Es mag oberflächlich klingen, aber „Seelensterne“ hat mich als erstes ganz klar wegen dem wunderschönen Coverbild angesprochen. Dass der Baum im Kreis auch eine vielsagende Bedeutung hat, habe ich aber erst gemerkt, als ich das Buch am Ende zugemacht und über alles noch einmal nachgedacht habe.
Denn Susanne Ertl hat hier eine sehr interessante Welt geschaffen, die dem Jahreszyklus folgt: Die Schneesterne repräsentieren den Winter, die Blütensterne den Frühling, Sonnensterne den Sommer und Nebelsterne den Herbst. Warum heißen sie Sterne? Weil sie genau das sind und sie kommen jeweils nur für „ihre“ Jahreszeit als Menschen auf die Erde. Was aber hat das mit den Nachtwanderern zu tun? Sie stehen für das vermeintlich Böse und Dunkle und versuchen, die Sterne daran zu hindern, am Ende ihrer Jahreszeit wieder ans Firmament aufzusteigen. Den je mehr Sterne sie töten können, umso dunkler wird es auf Erden und die Nachtwanderer erlangen dadurch mehr körperliche Kraft, Macht und Einfluss.
Die Einzelbände kannte ich vorher nicht, aber das machte nichts, denn in diesem Gesamtwerk sind die Gesichter von den Einzelbänder-Covern am jeweiligen Anfang der vier Teile mit aufgedruckt. Sie sind zwar nicht so schön farbig, sondern stattdessen schwarz-weiß und zeigen jeweils nur die Augen, Nase und Mundpartie, aber gerade das macht es interessant und es passt sich so wunderbar in das Buch ein. Die einzelnen Teile sind mit jeweils rund 100 Seiten nicht sehr lang, doch die Informationen, die sie transportieren, sind wunderbar verteilt.
Im ersten Band Schneestern Trean lernen wir die Protagonistin Namila kennen sowie Trean und die kleine Astara, die ebenfalls ein Schneestern ist. Die Handlung erfolgt rasch hintereinander, jedoch sind in diesem ersten Teil größere zeitliche Sprüngen enthalten, die mich beim Lesen etwas gestört haben. Denn dadurch wirkt die Handlung zu schnell vorangetrieben und etwas hastig. Andererseits wird nicht gleich alles auf Anhieb enthüllt, sondern lediglich viele Andeutungen gemacht, z.B. zu Personen, wie Meister Ewan, die nicht weiter erklärt werden. Erst nach und nach erfahren Namila und die Leser von den Sternen und was es mit den Schatullen auf sich hat, die diese bei sich tragen. Dadurch hatte ich keinen Wissensvorsprung und habe mich wie direkt in die Geschichte versetzt gefühlt. Das hat diesen ersten Teil sehr spannend gemacht und ich konnte das Buch kaum weglegen, weil ich wissen wollte, was die Geschichte noch zu bieten hat.
In Blütenstern Aleya taucht man dann mehr in besagte Hintergründe ein – mehr Protagonisten erscheinen auf der Bildfläche, sprich in Lewara, und man bekommt ein genaueres Bild von dieser Welt. Neue zarte Freundschaften werden geknüpft und Feindschaften vertieft. Am Ende erlebt der Leser bereits einen kleinen actionreichen Höhepunkt, der mit einem Cliffhanger endet, welcher perfekt zum dritten Teil überleitet.
In diesem spielt, wie der Titel vermuten lässt, der Sonnenstern Keron eine wichtige Rolle, denn er gehört zu den Höheren, die die Geschicke der Welt bestimmen. Immer mehr offenbart sich dem Leser und ich habe mit den Protagonisten einem weiteren Höhepunkt in der Geschichte entgegengefiebert. Dieser dritte Band wäre fast mein Lieblingsabschnitt der Gesamtgeschichte geworden, einfach weil man so viel Neues erfährt und richtig in die Geschichte hinein tauchen kann.
Schlussendlich fand ich den letzten Teil, Nebelstern Milena, jedoch am schönsten. Hier ist der Übergang nicht ganz nahtlos und das dramatische Ende von Sonnenstern Keron bleibt erst einmal so stehen. Dafür erfährt der Leser endlich mehr über den Anführer der Nachtwanderer, der bisher meiner Meinung nach zu kurz gekommen war. Ich will nicht zu viel verraten, aber die Tatsache, dass nichts in der Welt nur schwarz-weiß oder anders ausgedrückt nur abgrundtief böse ist, hat sehr gut in die Geschichte gepasst und spiegelt unser Leben wunderbar wieder.
Susanne Ertls Schreibstil ist durch alle Teile hindurch wunderbar flüssig und hat mir tolle Bilder in den Kopf gezaubert. Mir ist jedoch auch aufgefallen, dass sich im vierten Teil zwei, drei Schreibfehler eingeschlichen haben, so als wollte man diesen Abschnitt schnell hinter sich bringen und hatte keine Zeit mehr gehabt, diese zu korrigieren. Das finde ich schade, denn der Abschluss steht den ersten drei Teilen in nichts nach und ist, wie gesagt, zu meinem Lieblingsband geworden und ein grandioser Abschnitt dieser Quadrologie.

Fazit

„Seelensterne“ ist ein Gesamtband von Susanne Ertls interessanter und phantasiereicher Welt voller facettenreicher Charaktere. Dass diese im Laufe der Geschichte immer mehr werden, ist allerdings kein Manko, denn die Autorin schafft es souverän, diese zusammenzuführen und die Einzelschicksale miteinander zu verknüpfen. Es hat mir viel Spaß gemacht, in diese Welt abzutauchen und durch das wunderschöne Cover ist es ein Schmuckstück im Bücherregal.

4.5 von 5 Punkten

Wir danken sowohl Susanne Ertl, als auch dem Rabenwald Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Geschrieben von um 14:03 Uhr.

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