Donnerstag, 21. Juni 2018

Rezension: Sherlock Holmes und die Legende von Greystoke (Philip José Farmer)

Atlantis Verlag
Taschenbuch, 130 Seiten
ISBN: 978-3-86402-066-7
10,00 €

eBook, 3,99 €
ISBN: 978-3-86402-113-8

Ein kurzer Einblick

London, Februar 1916. Sherlock Holmes und Dr. Watson werden auf eine immens wichtige Mission geschickt. Sie sollen den Sauerkraut-Bazillus sicherstellen. Unglücklicherweise stürzen sie über Afrika im Dschungel eines gekaperten deutschen Zeppelins ab. Gut, dass Tarzan gerade in der Gegend ist, um den beiden Engländern zu helfen.

Bewertung

Ich bin kein fundierter Kenner Sherlock Holmes (Arthur Conan Doyle) oder Tarzans (Edgar Rice Burroughs), sodass Querverweise, Anekdoten oder sonstige Bezüge sowie schlaues Hintergrundwissen zu Philip José Farmers Crossover ausbleiben. Für Interessierte wird in Vorwort und Nachwort zumindest auf weitere Lektüre eingegangen, die in Bezug zu Farmers Newton-Welt stehen.

Der Roman ist gut und unterhaltsam. Mehr aber auch nicht. Der Roman ist mehr Abenteuer als Detektiv- oder Dschungelgeschichte. Die Figuren sind eine Interpretation und keine getreue Charakterstudie. Marotten sind vorhanden zur Identifikation, aber eher funktional. Auch sonst hatte der Autor ersichtlichen Spaß, erzählt aber keine stringente Geschichte; es hätten genausogut einzelne Episoden aus mehreren Abenteuern sein können. Echte erinnerungswürdige Momente bleiben aus, im Gedächtnis bleiben die eher verrückten Ideen, die unfreiwillig komisch wirken. Beispielsweise erkennt Holmes mit analytischem Verstand, dass Bienen mit einem Bienentanz kommunizieren. Kurzerhand malt er sich mit Matsch Streifen auf den Körper und tanzt den Bienen etwas vor. Vielen Dank für das Kopfkino, Herr Farmer, aber Phantastik und Fantasie stehen manchmal doch in etwas größerer Abgrenzung zueinander. Ich hätte mir einen eher bodenständigeren Sherlock Holmes mit seinem berühmten Spürsinn gewünscht und weniger einen genialen Geist, der abstruses vollbringt. Watson als Frauenheld und Damenretter in der Not ist da deutlich leichter zu akzeptieren. Was man von einem Sauerkraut-Bazillus halten soll, das den Deutschen die Nahrungsgrundlage berauben soll, um den Ersten Weltkrieg zu beenden, sei jedem selbst überlassen.
Einzig die Erzählweise kommt authentisch herüber. Watson als Erzähler hat die Geschichte im Nachlass gefunden. Herrlich altmodisch mit durchgestrichenen Flüchen, referiert der gute Mann über die Strapazen der Reise.

Fazit

Das Zusammentreffen des berühmten Detektivs und des Dschungelkönigs ist ein unterhaltsames Abenteuer mit viel Komik, aber kaum denkwürdigen Momenten. Der Roman zieht das Abenteuer großartig über die Bühne, kommt aber kaum über den Punkt hinaus, wirklich begeistern zu können. So bleibt ein Abenteuer, das mehr sein könnte, als es geworden ist. Schade, denn verschenktes Potential hätte bei dieser wirklich wunderbaren Grundidee nicht sein müssen.

3 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:19 Uhr.

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