Dienstag, 25. August 2020

Rezension: Sieben Pfeifer (Amber Benson, Christopher Golden)

Buchheim Verlag
Hardcover, 168 Seiten
ISBN: 978-3-946330-05-9
14,95 €

eBook, 5,99 €
ISBN: 978-3-946330-06-6

Ein kurzer Einblick

Die Legende der Sieben Pfeifer wird im malerischen Kingsbury zur ungemütlichen Wahrheit, als die Höllenhunde auf ihrer Jagd nach einer Seele Angst und Schrecken verbreiten. Selten sieht man mehr als eine der schwarzen Gestalten, doch, so sagt man, wenn alle sieben Hunde zusammenkommen, bricht die Apokalypse herein.

Bewertung

Der Aberglauben um die Sieben Pfeifer entstammt der englischen Folklore. Mir persönlich ist die Legende vollkommen unbekannt gewesen, sodass es eine erfreuliche Abwechslung zwischen den Neuaufgüssen altbekannter Geschichten ist, die Christopher Golden und Amber Benson als Grundlage für ihre Novelle genommen haben.
Weniger überraschend ist die Handlung, die trotz der vielen kleinen Kritikpunkte, überraschend eigenständig, souverän und durchweg verdammt spannend erzählt ist. Die Autoren haben eine gemeinsame Erzählstimme gefunden, die nicht nur perfekt mit der Erzählung harmoniert, sondern sich auch von den zumeist nüchtern oder detailliert erzählten Autorenstimmen angenehm abhebt. Dabei machen Golden und Benson im Grunde wenig innovatives, erzählen eine klassische Gruselgeschichte, die handwerklich wirklich hervorragend umbesetzt ist. Trotz der geringen Seitenanzahl gelingt es den beiden eine angenehme Tiefe in Charakterausbau, Vermittlung von Emotionen oder Schauplätzen zu vermitteln. Dabei fokussieren die Autoren sich nicht einmal auf das Wesentliche, sondern erzählen sehr bildbetont viele kleine Geschichten, die sich zu einem glaubwürdigen Gesamtbild zusammenfügen. So manches mal wäre etwas mehr Ausführlichkeit wünschenswert gewesen, andererseits tendiert die Prägnanz des Erzählten zu einem angenehmen Erzähltempo, das niemals Spannung missen lässt.

In der Stadt Kingsbury geht das Grauen um. Schwarze Hunde streifen durch die Wälder und die Gassen. Sie sind auf der Suche nach einer dem Teufel versprochenen Seele. Kommen alle sieben Hunde zusammen, bricht die Apokalypse über die Welt herein. Protagonistin Rose, die ihren mit Alzheimer verstorbenen Großvater betrauert, sieht die Bestien als erstes. Immer mehr Menschen berichten von umherstreunenden Tieren; mit Ihnen einhergehen Unfälle. Tödliche Hagelkörner schlagen auf dem Erdboden ein. Eine Kreissäge springt nach einem Stromausfall überraschend an und trennt einen Finger ab. Rose erfährt von der Legende um die Sieben Pfeifer und recherchiert nach dem Wahrheitsgehalt.

Obwohl Rose, ihre Freunde und die resolute Großmutter die Handlungsträger sind, lebt die Geschichte von den unzähligen kleinen Ereignissen, die drumherum in kurzen Absätzen abgehandelt werden. Golden und Benson gelingt dabei ein schwieriger Spagat. Sie finden ein Gleichgewicht zwischen prägnanten Handlungsinformationen und agierenden Figuren, ohne oberflächlich zu werden. Die Atmosphäre ist angenehm dicht und baut sich gemächlich auf, gleichzeitig steigert sich das Erzähltempo immer mehr. Die Handlung wird nicht rasant abgespult, sondern nimmt sich Zeit für die Gedanken der Figuren. In all diesen Punkten liegen gleichzeitig unzählige Kritikpunkte. Ein Absatz erscheint unnötig, der andere hätte etwas mehr ausgearbeitet sein können. Das ist jedoch meckern auf extrem hohem Niveau, die der Qualität kaum anzukreiden ist.

Fazit

Golden und Benson haben eine kurzweilige, prägnant erzählte Geschichte in aller Ausführlichkeit inszeniert. Ihnen gelingt der Spagat zwischen vielen kleinen Geschichten ohne den Mittelpunkt, den roten Faden zu verlieren. In der Kürze liegt die Würze, passt selten so gut wie zu dieser Novelle. Die Autoren haben ihr Handwerk gelernt und gemeinsam eine Erzählstimme gefunden, die das Gewöhnliche erfrischend und unterhaltsam gruselig vermittelt.

4.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:36 Uhr.

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