Montag, 22. Januar 2018

Rezension: Sirup (Max Barry)

Heyne
eBook, 7,99 €
ISBN: 978-3-641-09461-4

Ein kurzer Einblick

Scat möchte den großen amerikanischen Traum leben. Um möglichst schnell das Ziel seiner Träume zu erreichen, verkauft er die Idee des Erfrischungsgetränks Fukk an Coca-Cola. Ein Anteil am Produkt soll ihm den erträumten Geldsegen und Ruhm einbringen. Allerdings hat er vergessen, die Markenrechte schützen zu lassen.

Bewertung

»Sirup« ist keine Offenbarung über die Werbe- und Marketingindustrie, dafür bringt der Roman die Weisheiten und Absurditäten auf den Punkt.

Die Marketingindustrie ist wie LA. Sie ist wie ein superheißes, hirnloses, kokain- und sex- und Perriersüchtiges Model in LA. (Seite 12)

»Sirup« ist der erste Roman des Autors Max Barry. Das mag man gar nicht meinen, gleichzeitig auch sein Bester. Die Figuren sind scharf gezeichnet, dadurch extrem fassbar und liebenswert. Die Story ist geradlinig und mit Falltüren und Wendungen für die Charaktere versehen. Der Schreibstil ist simpel, temporeich, schwafelt nicht, sondern konzentriert sich auf das für die Szene wesentliche. Lediglich manchmal schweift der Autor etwas ab, aber immer nur kurz, sodass man kaum aus der eigentlichen Handlung herausgerissen wird.

Alles fängt damit an, dass Scat erfolgreich sein will. Das einfachste Mittel dazu ist eine Erfindung zu verkaufen. Kurzerhand erfindet er Fukk und verkauft die Idee an Coca-Cola. Prompt fällt er zusammen mit 6 auf die Nase; beide sind ausgebootet. Anstatt aufzugeben, kämpfen sie dafür an die Spitze des Unternehmens zu gelangen und stehen letztendlich neben Brad Pitt, Gwyneth Paltrow und Winona Ryder auf dem Roten Teppich.

Dafür müssen sie kämpfen – und der Leser mit ihnen. Die Figuren sind nicht emotional, die Story aber packend und mitreißend. Automatisch fiebert man mit den Charakteren mit. Sie müssen es schließlich schaffen, diese Aufgabe zu bewältigen. Man gönnt es ihnen, denn ihr Ansporn ist ehrlich. Die Industrie interessiert sich nur für Margen, Gewinne, Erfolg, MMP (Mund-zu-Mund-Propaganda), CT (Chicago Test), Irreführung und … Hauptsache das Geld fließt zum Unternehmen. Die Satire bringt auf den Punkt, was der Käufer zwar weiß, wovon er sich trotzdem immer wieder verführen lässt. Warum stehen Produkte wie Milch, Kaffee und Müsli verteilt im Laden? Damit der Kunde dazu animiert wird, mehr zu kaufen, als er möchte. Warum trinken gutaussehende Frauen auf Werbeplakaten Saft? Weil der Kunde selbst auf die Idee kommen soll, dass das Produkt gesund ist. Marketing ist Betrug, Irreführung und Blendung am Ziel, dem Kunden. Neue Verpackung, doppelt so teuer; das Produkt muss doch automatisch qualitativ besser sein? Nein, der Kunde muss es nur glauben. »Sirup« liest sich abwechslungsreich, spannend und das mit viel Witz und angenehm übertriebener Ironie. In diesem Rad aus Selbstkasteiung sind Scat und 6 gefangen und können sich nur behaupten, wenn sie die Mittel der Industrie gegen diese selbst wenden. Max Barry rechnet nicht ab, er klärt auf und schreibt ganz nebenher einen extrem unterhaltsamen Roman mit stilistisch einprägsamen und geschätzten Protagonisten.

Fazit

Unsere schöne Welt des Marketings. Und Du bist einer der Kunden. Du bist die Fliege im Spinnennetz. Max Barry bringt Marketingweisheiten auf den Punkt, denen wir alle aufgesessen sind. Er bringt aber auch auf den Punkt, wie die Industrie intern funktioniert. Nur wer sich durchbeißt, Erfolge vorweist und dem Unternehmen Millionen bringt, schafft es an die Firmenspitze. »Sirup« ist ein brillant unterhaltsamer Roman, der es mit einfachsten Mitteln schafft, eine gute Figur zu machen.

4.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 09:00 Uhr.

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