Samstag, 20. April 2019

Rezension: Versunken (Cheryl Kaye Tardif)

Luzifer Verlag
Taschenbuch, 332 Seiten
ISBN: 978-3-95835-146-2
13,50 €

eBook; 4,99 €
ISBN: 978-3-95835-147-9

Ein kurzer Einblick

Marcus Taylor arbeitet als Telefonist in der Notfallzentrale. Sein Job ist es, die Rettungswagen zu ihren Einsätzen zu koordinieren. Als ihn ein Anruf von Rebecca Kingston erreicht, die von einem Pick Up von der Straße gerammt wurde und langsam im Fluss versinkt, ist höchste Alarmbereitschaft gefragt. Alle Einsatzfahrzeuge sind bereits zu anderen Notfällen unterwegs. Nur ein Streifenpolizist steht Marcus zur Verfügung – und niemand weiß genau, wo Rebecca verunglückt ist.

Bewertung

Marcus Taylor arbeitete als Rettungssanitäter. Da er sich nach einer Verletzung vermehrt an den Medikamenten vergriff und süchtig wurde, wurde er entlassen. Als er benebelt von Tabletten in einer Blockhütte entspannte, verunglückte seine Frau bei einem Autounfall und ertrank. Marcus gibt sich die Schuld. Seitdem sind Kummer, Verlust und Selbstzweifel zu seinen täglichen Begleitern geworden. Nun arbeitet er unter strengen Auflagen als Telefonist in der Notrufzentrale und versucht durch seine Arbeit, etwas von seiner Schuld abzugleichen.

Rebecca Kingston, die Mutter von Ella und Colton, hat die Scheidung gegen ihren Ehemann eingereicht. Dieser ist nicht nur gewalttätig, sondern auch spielsüchtig. Aus Angst, die Kinder nicht mit der kaputten Ehe der Eltern zu verletzen, ist sie lange bei ihrem Mann geblieben. Um endlich einmal dem Alltag zu entfliehen, beschließt sie, ein paar Tage Urlaub zu machen. Doch unterwegs wird sie von einem Pick Up von der Straße gerammt und landet im Fluss. Das Wasser beginnt zu steigen. Sie selbst und ihr Sohn sind eingeklemmt, ihre Tochter ist bewusstlos. Nur 911 kann ihr noch Hilfe versprechen.

Cheryl Kaye Tardif gelingt es zwar nicht die Spannungskurve permanent zu erhöhen, bis auf ein paar Aussetzer, bleibt diese aber auf einem permanent hohen Niveau. Das liegt zum einen an der Dramatik und dem flotten Stil. Die Autorin spielt nicht einfach nur das Schema ab: Familie verunglückt, Lebensgefahr droht, Rettung kommt in letzter Sekunde. Es gelingt ihr, neben all der Dramatik, ein Auge auf realistische Abläufe zu behalten. Die Handlung wird nicht von sinnloser Action dominiert, sondern von menschlicher Verzweiflung. Und hier kommt der zweite positive Effekt ins Spiel. Die Figuren sind menschlich. Das Spiel aus Ängsten, Selbstschuld, Verzweiflung, Trauer, Liebe, Hoffnung … dient nicht dem Selbstzweck, der stupiden Charakterisierung, sondern der Untermauerung der Handlung. Nun bin ich als Leser weder in der Situation des Opfers, noch Rettungssanitäter gewesen, aber: Die Beschreibungen lesen sich extrem authentisch. Man nimmt der Autorin ab, dass dies so oder sehr ähnlich in echt geschehen könnte. Zuweilen liest sich der Roman dadurch zwar wie eine Dokumentation in Romanform, aber ein glaubwürdig, menschlicher Thriller ist der bessere als abstrus aneinandergereihte Actionsequenzen. Lediglich über den leicht gekünstelten Handlungsverlauf, wenn das Geschehen zu abrupt vorangeht und die Charaktere etwas mehr Zeit gebraucht hätten, kann man sich mokieren. Aber selbst das mag Geschmackssache sein.

Fazit

Cheryl Kaye Tardif hat einen bodenständigen, authentischen Thriller geschrieben. Menschliche Schicksale stoßen aufeinander. Verlustängste, körperliche Gewalt, Trauer oder Sucht spielen eine Rolle. Darüber hinaus vergisst die Autorin aber nicht, eine spannende Geschichte zu erzählen, die bisweilen sehr ergreifend ist.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 20:57 Uhr.

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