Sonntag, 28. April 2019

Rezension: Wer ist die Schnecke Sam? (Jakub Szamałek, Maria Pawłowska)

Doppelgänger Verlag
Gebunden, 58 Seiten
ISBN: 978-3-9504403-0-0
13,95 €

Ein kurzer Einblick

Die kleine Schnecke Sam kommt in die Schule. Eigentlich freut sie sich sehr darüber und will viel lernen. Doch bereits am ersten Tag verkriecht sie sich beschämt in ihrem Schneckenhaus, denn im Gegensatz zu den anderen Tieren in ihrer Klasse weiß Sam nicht, ob sie ein Junge oder ein Mädchen ist. Von der Schulpädagogin bekommt die Schnecke dann die Aufgabe, mit verschiedenen Tieren im Wald zu reden und erstaunt stellt Sam fest, wie viele unterschiedliche Arten es gibt, sein Leben zu leben und eine Familie zu gründen.

Bewertung

Mädchen mit kurzen Haaren, Jungen mit langen Haaren, Jungen die lieber mit Puppen spielen und Mädchen Fußball… Solche Konstellationen und viele weitere gibt es überall und es ist wichtig, als Erwachsener dies auch zuzulassen, damit Kinder ungestört ihre ganz eigene Persönlichkeit entdecken und leben können. Kinder kennen Begriffe wie Hetero-, Homo-, Bi-. Pan-, Multi- und Asexualität usw. noch nicht, aber sie denken schnell von sich, dass mit ihnen etwas nicht stimmt, wenn man etwaige Abweichungen der sogenannten „Norm“ nicht sensibel thematisiert.
„Wer ist die Schnecke Sam“ ist ein guter Einstieg in das Thema, um Kindern zu zeigen, dass es vollkommen normal ist, anders zu sein. Egal, ob es um die eigene Persönlichkeit oder um familiäre Konstellationen – wie z.B. Patchworkfamilien – geht. Denn hier geht es in erster Linie um Tiere; allen voran Sam, welche als Schnecke ein Hermaphrodit, also ein Zwitter mit sowohl männlichen, als auch weiblichen Fortpflanzungsorganen, ist. Dadurch können Kinder die Geschichte unvoreingenommen und nicht auf sich bezogen verfolgen und bekommen die Akzeptanz unbewusst vermittelt.
Das man nebenbei noch etwas über die Tierwelt lernt, ist natürlich auch nicht zu verachten. Für zusätzliche Informationen gibt es nach der Geschichte noch einen kurzen Exkurs in die tierische Welt der im Buch vorkommenden Protagonisten und im anschließenden Nachwort wird auch nochmal deutlich, dass die Verschiedenartigkeit aller Lebewesen den Autoren sehr am Herzen liegt.
Eine winzige Sternenzacke Abzug muss ich leider geben, da mir ganz persönlich die Illustrationen vom Stil her nicht so gefallen. Aber das ist ja eine sehr individuelle Geschmackssache und mindert den Inhalt keineswegs.

Fazit

„Wer ist die Schnecke Sam“ kommt mit einem Thema daher, dass ich bisher noch in keinem anderen Kinderbuch gefunden habe. Doch anstatt mit dem Zeigefinger für Toleranz und Akzeptanz zu werben, wird dies auf ganz natürliche Weise in die Geschichte integriert. Die tolle Message ist aber klar formuliert: „anderen Lebewesen – ob Mensch oder Tier – unseren gebührenden Respekt entgegenzubringen!“ (S. 49) Wenn wir alle dies jeden Tag befolgen würden, dann würden sich viele Probleme von ganz allein in Luft auflösen.

4.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 14:48 Uhr.

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