Donnerstag, 21. März 2019

Rezension: Widow’s Point (Billy Chizmar, Richard Chizmar)

Buchheim Verlag
Hardcover, 128 Seiten
Keine ISBN
36,99 €

Ein kurzer Einblick

Der Widow’s Point Leuchtturm ist verflucht. Unglücke, Todesfälle … die Geschichte des Turms ist düster. 1988 wurde Widow’s Point endgültig geschlossen. Nach nunmehr 30 Jahren ist Thomas Livingston der Erste, der das alte Gemäuer betritt. Für drei Tage will er, nur mit den nötigsten Vorräten, einer Videokamera und einem Diktiergerät, ausharren. Die Eingangstür wird mit einer Kette verschlossen; und doch ist Livingston nicht der Einzige, dessen Schritte die Wendeltreppe hinauf hallen.

Bewertung

Diese Ausgabe ist auf 999 Exemplare limitiert, handnummeriert und von Richard und Billy Chizmar signiert. Außerdem enthält es die originalen Illustrationen von Glenn Chadbourne.

Cemetery Dance hat in Amerika längst Kultstatus erreicht und Romane der besten amerikanischen Horrorautoren (u.a. Anne Rice, Stephen King, Bentley Little, Peter Straub, Dean Koontz, Clive Barker, Joe R. Lansdale) in Sammlerausgaben veröffentlicht. Der Buchheim Verlag bringt die Reihe nun unter dem Label »Cemetery Dance Germany« nach Deutschland.

»Widow’s Point« besitzt keine außergewöhnliche Geschichte, aber eine außergewöhnlich gut geschriebene Geschichte, die sich erfrischend unkonventionell liest. Vater und Sohn Chizmar nutzen wenige Elemente, reizen diese aber aus. Es gibt einen Protagonisten, einen verfluchten Leuchtturm und alte Erzählungen voller Unglück, die sich um eben jenen Turm ranken. Das ist wenig Material, um eine schaurige Geschichte umfassend zu erzählen. Aber viel Material benötigen die Autoren auch gar nicht, um Spannung und Atmosphäre zu erzeugen.
Der Erzählstil erinnert an Paranormal Activity oder ähnliche Filme, die mit einer Handkamera wackelig dokumentiert sind. Nur das hier die Szenen der Kamera und des Diktiergeräts schriftlich (logischerweise) verfasst sind. Dem Stil verleiht dies eine ganz eigene Note und Dramatik, denn das ganze Drumherum, über das Autoren sonst schwafeln könnten – Gedankengänge, ellenlange Beschreibungen von Aktionen, Hintergrundinformationen des außenstehenden Erzählers – verfallen der Prägnanz.
Thomas Livingston, Schriftseller, erforscht das Übernatürliche. Nach über dreißig Jahren ist er der Erste, der den Leuchtturm betritt. Er führt den Leser mit der Kamera an das Gemäuer heran, er erzählt in Monologen, das was sieht. Er erzählt die Schauergeschichte der Familie, die mit einem Hammer erschlagen wurde, von verschwundenen Kindern oder der Schauspielerin, die sich erhängte. Der Tonfall und die Art zu erzählen ist es, die den Grundtenor des Grusels erzeugen. Und natürlich die Schwarzblenden, die in der Erzählung fehlen, wenn Livingston das Diktiergerät nicht zur Hand hat. Der anfängliche Elan, das Unbekannte im Unglauben daran zu entdecken, verwandelt sich zunehmend in eine Beklemmnis, die den Tonaufzeichnungen eine stetige Steigerung des Wahnsinns verleiht. Ist es Livingston, der wahrlich Geister sieht, oder ist es sein Verstand, der dem Wahnsinn anheimfällt. Geschickt spielen die Chizmars mit bekannten Motiven und Erwartungshaltungen des Lesers. Dabei versuchen sie gar nicht erst die Erwartungshaltung überraschend auszuspielen, allein um des Knalleffekts wegen – sie nehmen den dokumentarischen Grundtenor der Erzählung und erzählen damit eine grundsolide, schaurige Gruselgeschichte stilistisch besonders hervorragend.
Untermalt wird die Geschichte von stimmungsvollen Illustrationen Glenn Chadbournes.

Fazit

Richard und Billy Chizmar haben ein wunderbares Gespür für eine gruselige Stimmung. Durch den stilistischen Ansatz, der Geschichte durch Videokamera und Diktiergerät einen dokumentarischen Stil zu verleihen, gelingt es den Autoren, der dürftigen Basis einen interessanten Ansatz zu verleihen. Erzähltempo, Schauergeschichten und der stetig anwachsende Wahnsinn führen letztendlich zu einer wahnsinnig gut erzählten Geschichte.

4.5 von 5 Punkten

Alle Rezensionen zur Serie / Reihe:

Geschrieben von um 20:05 Uhr.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

3 × 4 =