Dienstag, 05. Juni 2018

Rezension: Wild Cards. Die erste Generation 3. Der Astronom (George R. R. Martin)

Penhaligon
Paperback, 544 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3178-2
15,00 €

eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-641-21859-1

Ein kurzer Einblick

40 Jahre nach Jetboys Sieg über einen irren Wissenschaftler, steht eine gigantische Festivität an. Das Wild Cards-Virus konnte zwar grassierend über die Menschheit herfallen, doch die Menschen, Joker und Asse haben damit gelernt zu leben. Nach dem Etappensieg über die Schwarmmutter, sinnt das mächtigste Ass, der Astronom, auf Rache. Welches Ereignis wäre dafür besser geeignet, als das Jubiläumsfestival?

Bewertung

Es ist nun etwa 30 Jahre her, dass sich eine Gruppe von Rollenspielern zusammentat, um die Welt des Wild Cards-Virus zu entwerfen. Unter ihnen ist niemand Unbekannteres als George R. R. Martin, der die Reihe maßgeblich herausgab. Alle anderen mitwirkenden Autoren dürften zumindest hierzulande eher unbekannt sein. 1997 ist der Roman bereits bei Heyne erschienen. Wer den alten Band nicht sein Eigen nennen darf, kommt endlich in den Genuss der Festivitäten um Jetboy und die Vernichtung des Astronomen.

Die Handlung beginnt um 6:00 und endet um 6:00 des folgenden Tages. Ein Kapitel deckt eine Stunde ab. Die eine Handlung gibt es nicht, sondern mehrere Handlungsstränge drehen sich um einen gemeinsamen Nenner, überschneiden und streifen sich oder beeinflussen sich geringfügig. Das ist viel Inhalt auf relativ wenigen Seiten. Notgedrungen springt die Handlung zwischen den Charakteren hin und her, denn die Einteilung in die Stunden muss eingehalten werden. Das bringt Dynamik und eine Grundspannung in die Erzählweise hinein. Was wird wohl als Nächstes passieren. Welche Charaktere werden an welchen Orten anwesend sein? Ob sich Figuren treffen, sich gegenseitig helfen oder doch eher an die Gurgel gehen? Dem einen mag diese Sprunghaftigkeit nicht gefallen, die anderen finden gefallen am Mitfiebern. Leserunfreundlich sind die vielen Namen, teils mehrere für einen Charakter. Man findet sich hinein, doch das dauert. Die Erzählweise mit der schieren Figurenanzahl, den vielen Namen, den unterschiedlichen Kräften, das ist anstrengend zu lesen. Wer da nicht aufmerksam liest und mitdenkt, ist schnell in der Wirre aus Erzählpassagen verloren. So negativ das ein entspanntes Lesen beeinflusst, so dramaturgisch perfekt ist es umgesetzt. »Der Astronom« ist ein Theaterstück, das auf mehreren Bühnen spielt – der Leser besucht sie alle gleichzeitig. Die Konzeption, das Zusammenspiel der einzelnen Teile, der Verbindungen macht aus der Wirre ein ebenso hervorragendes Erlebnis. Die Autoren beschränken sich nicht auf den Kern und Notwendiges wird nicht in Nebensätzen erwähnt. Die Autoren räumen allen Charakteren den Raum ein, den sie zum Entfalten benötigen. Je intensiver man in die Handlungen eintaucht, umso grandioser wird das Leseerlebnis. Aller Anfang ist schwer, das Ende kommt schnell genug.

Im Mittelpunkt steht der Astronom. Der Fokus der Aufmerksamkeit liegt aber auf den Geschichten drumherum. Die Charaktere sind das entscheidende, das den Roman zum Leben erweckt. Das ist auch gut so, denn mit dem Astronom, dem mächtigsten Ass der Welt, steht den Figuren ein Gegner entgegen, der kaum zu besiegen ist. Eine Niederlage nach der anderen einzustecken, wäre nicht gerade spannend gewesen. Stattdessen erzählen die Autoren zwar eine Geschichte, in der der Astronom beständig in Erscheinung tritt, Tod und Zerstörung bringt, wechseln aber dankenswerter immer wieder zu Nebenschauplätzen oder zu Sidequests der großen Haupthandlung. Die bemerkenswerteste Story, ist die Handlung um das Mädchen, das sich geistern kann. Sie kann durch Wände schreiten, durch Decken schlüpfen und problemlos in jeden Tresor greifen. In einem findet sie das Tagebuch eines Gangsterbosses, der daraufhin seine Schläger auf sie hetzt. Es setzt sich eine Kettenreaktion in Gang, denn auch andere Parteien wollen an das Buch kommen. Es geht um Macht, persönliche Gier und die Frage nach der Wahrheit.

Fazit

»Der Astronom« verzichtet auf die Form des Mosaik-Romans, zumindest wird es nicht mehr deutlich, und setzt auf die Einteilung in Stunden. Der Roman spult sich quasi in Echtzeit ab und springt fröhlich zwischen Szenerien, Charakteren und Handlungssträngen hin und her. Wen das stört, kann hoffentlich gefallen an der durchdachten Story finden. Ein gelungener Teil der Wild Cards-Reihe ist der Roman auf jeden Fall.

4 von 5 Punkten

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Geschrieben von um 19:51 Uhr.

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