Donnerstag, 24. Januar 2019

Rezension: Wild Cards. Jokertown 1. Die Cops von Jokertown (George R. R. Martin)

Penhaligon
Paperback, 672 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3214-7
15,00 €

eBook, 9,99 €
ISBN: 978-3-641-23340-2

Ein kurzer Einblick

Fort Freak, das fünfte Polizeirevier im Ghetto im Süden Manhattans ist das Bollwerk gegen die Joker. Die Polizisten stehen für Recht und Ordnung ein. Es ist ein harter Job, der nicht nur Menschenkenntnis voraussetzt, sondern auch täglich vor neue Herausforderungen stellt. Leo Storgman ist Detective-Investigator und steht kurz vor der Pension. Ein 30 Jahre alter Fall lässt ihm keine Ruhe, er kramt alte Akten hervor und befragt damals Beteiligte — und weckt schlafende Hunde.

Bewertung

In dieser Rezension soll nicht auf das Wild Cards-Virus, die Geschichte der bisherigen Romane der Wild Cards-Reihe oder das Wesen der Joker, Asse und Pik-Damen eingegangen werden. Hintergrundinformationen dazu findet ihr in den Rezensionen zu »Wild Cards. Die erste Generation« und »Wild Cards. Die zweite Generation«.

»Die Cops von Jokertown« ist einmal mehr ein Mosaikroman geschrieben von den Autoren Paul Cornell, David Anthony Durham, Ty Franck, Stephen Leigh, Victor Milán, John Jos. Miller, Mary Anne Mohanraj, Kevin Andrew Murphy, Cherie Priest und Melinda M. Snodgrass. George R. R. Martin fungiert lediglich als Herausgeber.

Eines ist gewiss, wenn zehn Autoren zusammenarbeiten: Viele Namen, viele Charaktere, viele Handlungsstränge vermischen sich zu einem gewagten Zusammenspiel, das den Leser nicht überfordern und zugleich unterhalten muss. Dabei unterbrechen vereinzelte, mehr oder weniger für sich alleinstehende, größere Geschichten, viele kleine Handlungsstränge, die abwechselnd, chronologisch erzählt werden. Die Geschehnisse sind einprägsam, denn jeder Autor setzt eigene Akzente und Ideen. Schwieriger ist es bei der Anzahl der Charaktere, einen Überblick zu behalten. Eine Figur hat nicht nur seinen Geburtsnamen, sondern meist noch einen Spitznamen, ggf. auch noch einen Joker- oder Assnamen. Hinzu kommt die oberflächliche Erscheinung. Nicht jeder Charakter besitzt einen unveränderlichen Körper, sodass man sich zusätzlich merken muss, wer in welchem Erscheinungsbild auftreten kann. Das kann zu einiger Verwirrung führen, wenn in einer Szene nicht gleich klar ist, vom wem die Rede ist. Abgesehen von dieser Kritik, kann kaum gemeckert werden.

Fort Freak, das fünfte Polizeirevier von Jokertown, im Ghetto von New York, ist der Dreh- und Angelpunkt des roten Fadens. Es sind vor allem die Joker, die diesen Stadtteil bewohnen. Banden bekriegen sich, Dealer verticken ihre Substanzen, Polizisten sind korrupt, … Jokertown ist ein Moloch der Delikte, großer Verbrechen und der Gewalt. Konfliktpotential ist vorhanden und das Revier hat mehr als genug zu tun. Die bösen Cops, die das System ausnutzen, und die guten Cops, die wirklich auf ehrliche Art und Weise versuchen Verbrechen aufzuklären und Verbrecher zu überführen – jeder Charaktertyp ist vertreten. Polizist zu sein in Jokertown, verlangt unglaubliche Menschenkenntnis. Die missgestalteten Joker erwecken Mitleid mit ihrem Schicksal, doch verbirgt sich hinter jenem Individuum eine Tragödie oder ist es Kalkül und Deckmantel für Gaunereien? Die Polizisten müssen ganz genau hinschauen, um Bürger von Verbrecher zu unterscheiden.

»Die Cops von Jokertown« ist kein klassischer Superheldenroman. Es gibt nicht den Bösewicht oder die geniale Fähigkeit. Es gibt nur die untere Schublade der Gesellschaft, die versucht zu überleben, und die Polizei, die versucht Ordnung im Chaos zu halten. Die Geschichten lassen sich viel besser dem Thriller, dem Krimi oder dem Film Noir zuordnen. Düster, schmutzig, korrupt. Jeder trägt Geheimnisse mit sich herum, verbirgt etwas und hofft darauf, dass so manches niemals das Tageslicht erblicken wird. Durch die Vielzahl der Charaktere, die den Geschichten durch ihre Vielfältigkeit eine unglaubliche Dynamik verleihen, blickt der Leser durch die Augen eines Polizisten, eines Detektivs, eines Joker-Opfers … Man lernt die Aspekte, die Jokertown definieren, aus allen Blickwinkeln kennen. Man lernt Einzelschicksale kennen, die Veränderung zum Joker auf ihr Leben und die Wahrnehmung ihrer als Joker von Mitmenschen. Man lernt die Notwendigkeit von Verbrechen kennen, aber auch das Verbrechen aus Machtgier.
Zwischen all diesen Geschichten und dem Versuch der Polizei, das Recht des Gesetzes durchzudrücken, kramt ein Polizist kurz vor seiner Pensionierung einen 30 Jahre alten Fall aus und weckt damit schlafende Hunde.

Für Leser und Fans der bisher erschienenen Romane, feiern bekannte Charaktere aus früheren Bänden ein Comeback. Es sind kurze Auftritte, die nicht relevant für die Story sind, aber das Gefühl geben, das dieser Roman noch immer ein Teil des Universums ist und keine Abkopplung. Und letztendlich ist es auch einfach toll, liebgewonnene Figuren noch einmal wiederzusehen. Neueinsteiger brauchen keine Sorge haben, die Auftritte sind so kurz, dass Vorwissen nicht vonnöten ist.

Fazit

»Die Cops von Jokertown« ist hinsichtlich des Genres eine echte Überraschung. Die Superhelden spielen kaum eine Rolle, sondern die Ermittlung gegen Verbrechen, Bandenkriege, menschliche Schicksale und die Arbeit der Polizei. Die Krimi- und Thrilleranteile stechen eindeutig hervor, ebenso glänzen aber auch die vielfältigen Charaktere. Einzig die vielen Namen, Fähigkeiten und Figuren können wegen ihrer Masse manchmal etwas anstrengend werden; irgendwie muss man sich die vielen Informationen ja auch merken.

4 von 5 Punkten

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Geschrieben von um 20:18 Uhr.

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