Samstag, 09. März 2019

Rezension: Wilder Fluss (Cheryl Kaye Tardif)

Luzifer Verlag
Klappenbroschur, 352 Seiten
ISBN: 978-3-95835-006-9
13,95 €

eBook, 4,99 €
ISBN: 978-3-95835-008-3

Ein kurzer Einblick

Vor sieben Jahren verschwand Del Hawthornes Vater auf dem Nahanni River in den kanadischen Northwest Territories. Als einer der vermissten Männer, Professor Schroeder, aus der Gruppe ihres Vaters überraschend auftaucht, um Jahre gealtert und mit Gedächtnislücken, stellt Del eine Rettungsgruppe zusammen. Sie folgen den mysteriösen Angaben im Tagebuch ihres Vaters, das Professor Schroeder ihr gab. Sie entdecken einen geheimen Fluss, der sie in eine technologische Zukunft führt, in der Leben mehr ist, als nur der Werdegang zwischen Geburt und Tod.

Bewertung

Del Hawthorne ist Anthropologin und auf dem Nahanni River unterwegs, um ihren verstorbenen Vater zu finden. Oder besser gesagt: Ihren Vater, der vor sieben Jahren auf dem Nahanni River spurlos verschwunden ist. Es ist ein Survival-Abenteuer in der Natur, die Jagd nach Geheimnissen, Mystery mit einem Dene Indianer als Reiseführer. Oh, einen Moment … Plötzlich wird aus dem mysteriösen Aufhänger der verspäteten Rettungssuche ein Science-Fiction-Abenteuer, der technologischen Art. Zugegebenermaßen taucht der SF-Anteil nicht ganz unerwartet auf. Bereits im Vorhinein wurde angedeutet, dass eine Firma, die an Gentechnik und Alterungsprozessen forscht, mit involviert ist. Etwa die Hälfte des Romans fühlt sich allerdings kaum nach Science-Fiction an. Stattdessen wartet Cheryl Kaye Tardiff mit einem spannend kurzweiligen Roman auf, der oberflächlich und geradlinig ist. Die Charaktere sind überzogen und ihre Handlungen teils bescheuert stupide. Die Autorin bemüht sich, ihre Erzählstimme ist verdammt mitreißend, sie fällt aber immer wieder auf eine anspruchlose Oberflächlichkeit zurück, die lächerlich wirkt.

Die Ausgangslage war verdammt vielversprechend. Nichts Besonderes, aber grundsolide mit einem sympathischen Hauptcharakter. Was auf dem Nahanni River folgt, soll wohl abenteuerlich sein – und ist es in Teilen auch – verpuppt sich aber viel zu oft als schlecht geschriebener Lückenfüller aus Eifersüchteleien und penetranten Liebesbekundungen; in Wiederholungsschleife. Erst als der Science-Fiction-Teil einsetzt, nimmt die Handlung wieder Fahrt. Nanotechnologie, Menschenversuche und Wissenschaftler, die noch nie etwas von Ethik hörten und stattdessen dem Ruf des Geldes folgen. Auch dieser Teil des Romans könnte mehr als nur spannend sein, wenn es nicht bei egozentrischen Charakteren und einem abrupten Finale bleiben würde.

Tardif stellt keine hohen Ansprüche an den Roman, versucht aber immer wieder, auf ein Niveau vorzustoßen, das einen guten Roman zu einem hervorragenden Roman macht. Leider misslingt ihr dies und so wirkt vieles unausgegoren, übertrieben einseitig, eindimensional und viel zu schablonenhaft. Der wissenschaftliche Ansprucht verbleibt in den Ansätzen, um eine Grundlage für die Technologie zu haben, lotet aber kaum die größeren Zusammenhänge in Ethik, wissenschaftlichen Problemstellungen oder Auswirkungen auf die Menschheit aus. Das wäre alles insofern kein Problem, wenn die Autorin sich entscheiden würde. Soll »Wilder Fluss« ein geradliniges Action-Science-Fiction-Abenteuer sein, das auf Tiefgründigkeit pfeift, aber einen rasanten Thriller inszeniert? Oder soll »Wilder Fluss« eine Geschichte erzählen, der auf Charaktere glaubwürdig eingeht, eine wissenschaftliche Geschichte auf Fakten oder zumindest glaubwürdiger und untermauerter Theorie aufbaut? Im ersten Fall scheitert die Autorin an der Action, im zweiten an der Glaubwürdig- und Tiefgründigkeit.

Fazit

»Wilder Fluss« ist nichts Ganzes und nichts Halbes. Cheryl Kaye Tardif versucht sich an einem Action-Abenteuer, das mehr sein will als Unterhaltung – und scheitert. Übrig bleib ein spannender Roman mit phantastischer Erzählstimme, der aber zwiespältig im Unterhaltungswert ist. Geile Action oder glaubwürdiger Wissenschaftsansatz? Beides funktioniert hier nicht.

3 von 5 Punkten

Geschrieben von um 20:22 Uhr.

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