Donnerstag, 14. Februar 2019

Rezension: Zeitenwende (Carmen Korn)

Kindler
Hardcover, 560 Seiten
ISBN:  978-3-463-40684-8
19,95 €

Ein kurzer Einblick

Henny Unger wird 70 Jahre und noch immer sind ihre Freundinnen Käthe, Ida und Lina an ihrer Seite. Nun spielen in ihren Leben bereits die Enkelkinder eine größere Rolle. Hennys Enkelin Katja will Fotoreportin werden und auch Florentine, Idas Tochter, kehrt mit einer freudigen Nachricht nach Hamburg zurück. Die beiden sind wiederum mit Käthes Adoptivtochter Ruth befreundet. Nun teilen sie Glück und Leid miteinander…

Bewertung

Nachdem der zweiten Band von Carmen Korns Jahrhundert-Trilogie, „Zeiten des Aufbruchs“, gegenüber dem ersten Band, „Töchter einer neuen Zeit“, bereits umfanglich enttäuscht hat, durfte der Leser vom dritten Band leider nicht mehr viel erwarten. Wenn man ihn dann doch zur Hand nimmt, um zu erfahren, wie es mit den liebgewonnenen Figuren zu Ende geht, erlebt man leider auch keine Überraschung oder gar eine Rückkehr zum Stil des ersten Bandes. Wie im zweiten Band plätschert das Leben der vier Freundinnen und ihrer Familien so vor sich hin, es wird kaum Spannung aufgebaut und wenn, dann direkt nach ein paar Seiten wieder aufgelöst. Wie befürchtet, verkommt der dritte Band damit zu einer Totenerzählung ohne großartige Höhen und Tiefen.
Die Potentiale für Höhen und Tiefen sind so offensichtlich, dass sie jeder mitdenkende Leser bereits frühzeitig erkennt. So gibt es, wie im zweiten Band deutlich angekündigt, eine RAF-Geschichte, die aber am Ende natürlich gut ausgeht. Es gibt eine Ost-West-Geschichte, bei der ohne große Hürden problemlos eine Flucht gelingt und es gibt eine Aids-Geschichte, bei der, obwohl man zu dem Zeitpunkt wenig über Aids weiß, es natürlich direkt möglich ist, in den USA einen Test zu machen und die selbstverständlich auch gut ausgeht. Auch wenn man sympathischen Romanfiguren als Leser nichts schlechtes wünscht, ist das doch alles eine pur zu heile Welt. Als Leser kann man regelrecht fühlen, wie Carmen Korn ihre Figuren lieb gewonnen hat, und ihnen bloß nichts schlechtes geschehen lassen will. Die einzigen, denen schlimmes geschieht, sind Nebenfiguren, die sowieso nicht so wirklich in die Handlung passen.
Somit verkommt der Roman tatsächlich zu einer Totenerzählung. Da Carmen Korn jedoch all ihre Figuren so lieb gewonnen hat, sterben natürlich nur die weniger zentralen Figuren in einem realistischen Alter. Die anderen werden selbstverständlich alle weit über 90 Jahre alt und haben auch keine Krankheiten im Alter, nicht zuletzt, weil Carmen Korn so wenig neue Figuren entwickelt hat, dass ihr sonst wohl auch der Stoff ausgegangen wäre. Wie im zweiten Band erkennt man leider überhaupt nicht mehr, welche Botschaft Carmen Korn dem Leser senden möchte. Einzig Hamburg-Kenner können sich weiterhin über die Erwähnung bekannter Straßen, Plätze und Einrichtungen freuen.

Fazit

Leider geht es im dritten Band der Jahrhundert-Trilogie genauso weiter, wie es Carmen Korn im zweiten Band begonnen hat: Der Roman besitzt keinerlei Spannung, die Handlung plätschert ohne Höhen und Tiefen vor sich hin und am Ende wird der Roman eine unglaubwürdige Totenerzählung. Nur, wer unbedingt wissen möchte, wie es mit den Figuren weitergeht, oder Hamburg-Fan ist, sollte diesen Roman lesen.

2 von 5 Punkten

Geschrieben von um 07:24 Uhr.

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