Sonntag, 19. August 2018

Rezension: Zwischen dir und mir das Meer (Katharina Herzog)

Rowohlt Polaris
Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN: 978-3-499-27420-6
12,99 €

Ein kurzer Einblick

Lena Sanders arbeitet auf Amrum in einem Hospiz und führt ein eher zurückgezogenes Leben. Ihre Mutter ist vor vielen Jahren im Meer ertrunken, der Vater hat diesen Unfall nie überwunden und ihre jüngere Schwester Zoe tingelt durch die Weltgeschichte, immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Als eines Tages der geheimnisvolle junge Matteo Forlani vor ihrer Tür steht, fühlen sich beide gleich voneinander angezogen. Doch am nächsten Tag kehrt Matteo ohne ein weiteres Wort nach Italien zurück und lässt nur eine Mappe im Hotel, welche Lena ausgehändigt wird und in der sie Fotos ihrer Mutter findet, die sie als junge Frau zeigt – und so glücklich, wie sie es mit ihrem Vater nie war. Neugierig geworden, reist Lena mit ihrer Schwester an die Amalfiküste, um Licht in die unbekannte Vergangenheit ihrer Mutter Mariella zu bringen. Und vielleicht auch, um den hübschen jungen Mann wiederzusehen…


Bewertung

„Zwischen dir und mir das Meer“ ist eine schöne Sommerlektüre, die in zwei Handlungsebenen erzählt wird. Zum einen begleiten wir Lena in der Gegenwart, kurz bevor besagter Matteo plötzlich vor ihr auftaucht, und zum anderen ihre Mutter Mariella, wobei hier ihre Entwicklung vom Kind bis zur jungen Frau erzählt wird. Die beiden Zeitebenen wechseln sich gekonnt ab und sind aufgrund der Kapitelüberschriften klar gegliedert. Der Schreibstil ist dazu locker leicht und man fliegt förmlich über die Seiten.
Was ich an der Geschichte verwirrend fand, und was auch immer wieder auffiel, war der Einsatz der italienischen Sprache. Zu Beginn des Buches erzählt Lena Matteo, dass sie zweisprachig aufgewachsen ist, was bei einer italienischen Mutter nicht verwunderlich ist. Jedoch war Lena noch sehr jung, als ihre Mutter starb und es gibt keine Erklärung, wie sie zwanzig Jahre später noch immer so gut Italienisch spricht, dass sie sich mit der Bevölkerung der Amalfiküste anscheinend problemlos verständigen kann. Gleiches gilt für ihre Schwester Zoe, die sogar noch jünger war und entsprechend nicht so viel Zeit hatte, Italienisch von der Pike auf zu lernen. Als dann zum Ende der Geschichte die Oma von den beiden nach Italien reist und den ausschließlich italienisch sprechenden Vater ihrer Schwiegertochter nicht verstehen kann, war mir klar, dass nach dem Tod Mariellas die Sprache in der Familie nicht mehr gesprochen wurde. Hier hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht.
Wenn ich diese Unstimmigkeit jedoch mal kurz außen vor lasse, muss ich zugeben, dass ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe. Man kann es mit der etwas naiven, aber trotzdem charakterstarken Protagonistin und dem charmanten, gut aussehenden Italiener für einen typischen Wohlfühlroman für Frauen halten. Dazu noch die romantische Gegend der Amalfiküste… Aber hey, warum nicht? Es ist ein Buch für kurzweilig tolle Lesestunden, bei dem man nicht viel mitdenken muss, sondern es einfach genießen kann.
Besonders schön finde ich auch das Cover. Allein schon deshalb und auch wegen des Titels hätte ich dem Buch auf jeden Fall eine Chance gegeben.

Fazit

Egal ob auf der Couch, im eigenen Garten oder am Strand, „Zwischen dir und mir das Meer“ sollte man dabei haben, wenn man für ein paar Stunden dem Alltag entfliehen will. Diese gelungene Mischung aus Familiendrama, Urlaubsfeeling und der Suche nach der Vergangenheit ist dazu noch in einer wunderschönen Hülle verpackt und wartet darauf, entdeckt zu werden.

Wir danken Rowohlt für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 10:05 Uhr.

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